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Kognitive Umstrukturierung  

 Im Aufbau

Verfahren

Video-Beispiele

Die folgende Zusammenfassung der Methode basiert grösstenteils auf dem hervorragenden Buch "Methoden der Kognitiven Umstrukturierung" von Beate Wilken:

Die Kognitive Umstrukturierung wird bei verschiedenen Störungen gewinnbringend eingesetzt (Ängste, Depression, Essstörungen etc.). Für diesen Text wurden jedoch ausschliesslich Beispiele aus den Bereichen Prüfungsangst und Leistungsstress herangezogen, da ich lediglich in diesem Bereich Beratung anbiete. 

 

Kognitive Verfahren

In den letzten Jahrzehnten ist eine Vielzahl therapeutischer Verfahren entwickelt worden, die das Ziel haben, Verhaltensänderungen durch die Veränderungen von Kognitionen herbeizuführen. So gibt es mehrere Methoden der kognitiven Umstrukturierung. Die bekanntesten sind: Die Rational-Emotive Therapie von Ellis, die kognitive Therapie von Beck, die Methode der Umbenennung von Goldfried und das Selbstvervalisationstraining von Meichenbaum.

Nach Mahoney sind all diese Verfahren auf vier Grundannahmen aufgebaut:

  • Der menschliche Organismus reagiert vor allem auf die kognitive Repräsentation, also die „innere Abbildung“ der Umwelt, und nicht auf die Umwelt selbst.
  • Diese kognitiven Repräsentationen der Umwelt stehen in einer funktionalen Beziehung zu den Lernprozessen.
  • Menschliches Lernen ist zum grössten Teil kognitiv vermittelt.
  • Gedanken, Gefühle und Verhalten sind interaktiv, sie bedingen einander. 

Das Selbstverbalisationstraining nach Meichenbaum

Meichenbaum geht davon aus, dass vor allem die Art, wie und ob eine Person überhaupt mit sich selber spricht entscheidet, wie sie die Umwelt wahrnimmt und ob sie Probleme hat oder nicht. In seiner Therapie geht es entweder darum, Selbstgespräche und Selbstanweisungen zu entdecken, die für die Person dysfunktional und schädlich sind und diese systematisch zu verändern, oder, wenn Selbstanweisungen fehlen (was z.B. bei hyperaktiven Kindern oft der Fall ist), diese inneren Dialoge aufzubauen.

Aufgrund seiner Theorie entwickelte Meichenbaum ein Verfahren, durch das jedermann lernen kann, Stresssituationen angemessener zu bewältigen, das so genannte Stress-Impfungstraining.

Das wesentliche Merkmal dieser Strategie ist die Fähigkeit, Problemsituationen schnell zu erkennen und durch alternative, förderliche gedankliche Bewältigungsmassnahmen zu meistern.

Das Training lässt sich in drei aufeinanderfolgende Phasen unterteilen:

  1. Die Phase des Unterrichts soll dem Klienten die Einsicht in sein Verhalten unter Stressbedingungen ermöglichen sowie Bewältigungsmöglichkeiten für Stresssituationen aufzeigen.
  2. Die Übungsphase soll den Klienten dazu befähigen, sich auf der kognitiven Ebene und der Verhaltensebene mit seinen Problemen auseinanderzusetzen.
  3. Die Anwendungsphase gibt dem Klienten die Möglichkeit, die gelernten Bewältigungsfertigkeiten in verschiedenen Stresssituationen einzusetzen. 

Die Unterrichtsphase

Das Training beginnt mit der Informationsgewinnung, bei der vor allem darauf geachtet wird, was der Klient in kritischen Situationen zu sich selber sagt. Dabei gibt es mehrere Methoden, um das innere Sprechen beobachtbar zu machen:

  • Exploration
  • Diagnostische Verhaltensproben
  • Selbstbeobachtung
  • Fragebögen

Nach Erstellung der Problemanalyse erklärt der Therapeut dem Klienten seine Stressemotionen nach dem Modell der emotionalen Erregung von Schachter und Singer und weist darauf hin, dass das Angsterleben des Klienten gekennzeichnet ist durch:

  • Einen erhöhten physiologischen Erregungszustand
  • Die Interpretation der Situation als bedrohlich

Dadurch besteht das Training darin, die physiologische Erregung kontrollieren zu lernen und die angststeigernden Selbstverbalisationen durch positive Bewältigungsgedanken zu ersetzen.

Die Unterrichtsphase ist abgeschlossen, wenn Theorie und Behandlungsansatz für den Klienten einleuchtend und subjektiv plausibel erscheinen.

Die Übungsphase

In dieser Phase wird  ein Entspannungstraining durchgeführt, damit sich der Klient in stressigen Situationen schnell und aktiv beruhigen kann. Zudem werden konstruktive Selbstverbalisationen zusammen mit dem Klienten entworfen und eingeübt. Diese beziehen sich auf folgende Phasen im Erleben:

  • Vorbereitung auf ein stressauslösendes Ereignis
  • Konfrontation und Umgehen mit dem stressauslösenden Ereignis
  • Auseinandersetzung mit dem Gefühl, überwältig zu werden

Zudem werden noch Selbstverbalisationen zur Selbstverstärkung eingeübt, um das neue Verhalten zu stabilisieren.

Die Anwendungsphase

In dieser Phase soll der Klient das gelernte im Alltag ausprobieren und trainieren.

 

Die Rational-Emotive Therapie von Ellis

Die Rational-Emotive Therapie ist der älteste kognitiv-psychologische Behandlungsansatz. Er wurde in den 50er Jahren vom amerikanischen Psychologen Albert Ellis entwickelt. Nach Ellis sind emotionale Probleme und Verhaltensstörungen nicht primär das Resultat bestimmter äusserer Umstände, sondern einer verzerrten, irrationalen subjektiven Sichtweise dieser Umstände. Grundlage solcher verzerrter Auffassungen sind allgemeine irrationale Überzeugungen und Werthaltungen wie etwa:

  • Ich muss perfekt sein
  • Alle müssen mich mögen

In der Therapie versucht Ellis, dem Klienten zunächst einmal diesen phänomenologischen Standpunkt, das ABC der Rational-Emotiven Therapie zu erläutern. Nach der ABC – Theorie sind die Konsequenzen (C) nicht das Ergebnis der Situationen (A), sondern der meist unbewussten Überzeugungen (B) des Individuums. Ist diese Theorie dem Klienten verständlich, versuchen Patient und Therapeut gemeinsam, die Werthaltungen die für das Problem verantwortlich sind, herauszuarbeiten. Dazu werden Aussagen des Klienten überspitzt und generalisiert und in die sprachliche Form von Quasi-Gesetzesaussagen gebracht. Der nächste und wesentliche Schritt besteht darin, den Klienten davon zu überzeugen, dass diese Einstellungen irrational und für seine Probleme verantwortlich sind. Das Ziel ist im wesentlichen erreicht, wenn der Klient die Irrationalität akzeptiert und damit auch akzeptiert, dass andere, angemessenere Einstellungen möglich sind.

Ellis postuliert vier Grundkategorien irrationaler Überzeugungen:

  1. Absolute Forderungen (auch Muss-Gedanken oder „Mussturbationen“ genannt): Eigene Wünsche und Bedürfnisse werden zu absoluten Forderungen und Notwendigkeiten. Als solche sind sie zu erkennen an Wörtern wie „muss“, „darf nicht“. („Ich muss stehts alles perfekt erledigen.“)
  2. Globale negative Fremd-, und Selbstabwertung: Aufgrund einer einzigen Verhaltensweise, eines Ereignisses oder einer Eigenschaft wird die ganze Person beurteilt. („Wenn ich die Prüfung nicht bestehe bin ich ein Versager.“)
  3. Katastrophendenken: Negative Ereignisse werden in der subjektiven Bewertung einer Katastrophe gleichgesetzt. („Es wäre absolut schrecklich, wenn ich die Prüfung nicht beim ersten mal bestehe.“)
  4. Niedrige Frustrationstoleranz: Negative Ereignisse werden als unerträglich beschrieben. („Ich könnte es nicht aushalten, wenn der Professor denkt, ich sei zu blöd für diesen Test.“)

Die wichtigste Kategorie irrationaler Überzeugungen bilden die Absoluten Forderungen. Diese bilden nach Ellis den Kern eines selbstschädigenden Schematas. Sie sind relativ global und bewusstseinsfern und müssen in der Therapie erst entdeckt werden. So könnte ein Prüfungsängstlicher Student z.B. denken: „Ich muss diese Prüfung bestehen, sonst bin ich ein Versager.“ Die zugrundeliegende Überzeugung wäre: „Ich muss stehts alles perfekt machen. Andernfalls ist das schrecklich und beweist meine Wertlosigkeit.“

Wenn dieser Student nach der Prüfung sieht: Ich habe die Prüfung nicht bestanden

Und daraus schlussfolgert: Ich bin ein Versager

So liegt dem mit hoher Wahrscheinlichkeit die absolutistische Forderung zugrunde wie: Ich muss stehts alles perfekt machen, sonst bin ich wertlos.

 

Die kognitive Therapie von Beck

Weitgehen unabhängig von Ellis entwickelte Beck eine kognitive Therapie speziell für die Therapie depressiver Klienten. Depressionen und andere Störungen sieht Beck als Folge einer bestimmten Art zu denken an, die sich inhaltlich durch eine negative Sicht seiner selbst, der Umwelt und der Zukunft auszeichnet, die sogenannte kognitive Triade der Depression.

Die kognitive Triade der Depression:

  • Negative Sicht der eigenen Person: Ich bin wertlos
  • Negative Sicht der Umwelt: Keiner mag mich, alles richtet sich gegen mich
  • Negative Sicht der Zukunft: Es ist hoffnungslos

Diese verzerrte Sichtweise wird durch verschiedene Denkfehler bestätigt und gefestigt, wie:

Alles-oder-nichts-Denken: Die Dinge werden nur in Schwarz-Weiss-Kategorien gesehen.

Übertreibende Verallgemeinerungen: Ein einzelnes negatives Ereignis wird als Beispiel einer unendlichen Serie von Niederlagen angesehen. Schlussfolgerungen, die anhand eines Beispiel getroffen werden, werden unhinterfragt auf andere Situationen übertragen (Auf diesem Fehler beruhen eine Menge von Vorurteilen – wenn ein ... schlecht ist, sind alle schlecht).

Voreilige Schlussfolgerungen: Es werden Schlussfolgerungen gezogen, obwohl keine Beweise vorliegen, dass diese richtig sind.

Über- und Untertreibung: Die Wichtigkeit bestimmter Dinge wir überschätzt, (Wenn man keine Modellmasse hat, findet man nie einen Mann) während andere Aspekte so stark unterschätzt werden, dass sie schliesslich völlig unwichtig erscheinen (z.B. eigene Fähigkeiten oder die Schwächen anderer Leute).

Emotionale Beweisführung: Es wird angenommen, dass die negativen Gefühle notwendigerweise genau das ausdrücken, was wirklich geschieht („Ich fühle es, also muss es wahr sein“).

Abwehr des Positiven: Positive Erfahrungen, die gegen die negativen Gedanken sprechen, werden zurückgewiesen, indem darauf bestanden wird, dass sie aus irgend einem Grund nicht zählen.

Wunschaussagen: Solche Sätze beginnen mit: Man sollte (nicht), man muss, man darf nicht.... Der Druck von solchen Aufforderungen wirkt sich negativ aus und führt häufig dazu, dass man aufgibt.

Auch bei dieser Therapie wird in einem ersten Schritt das Therapierational erklärt. In der zweiten Phase werden die verzerrten Wahrnehmungen und fehlerhaften Denkweisen herausgearbeitet und ausserdem wird nach dahinterliegenden, allgemeineren dysfunktionalen Einstellungen gesucht. Die Wahrnehmungen, Denkweisen und Einstellungen werden dann auf ihre Angemessenheit überprüft, und zwar durch:

  • Eine Überprüfung ihrer logischen Struktur (logische Analyse)
  • Durch einen Vergleich mit der Realität (empirische Analyse)
  • Durch eine Überprüfung der Konsequenzen solcher Denkgewohnheiten (pragmatische Analyse)

Anschliessend werden alternative Interpretationen und Einstellungen erarbeitet.

 

 Videobeispiele zur Kognitiven Umstrukturierung