Sensibilisierung für den Berater
Wie bei dem Punkt über die menschlichen Veränderungen schon erwähnt wurde, ist es für Betroffene nicht leicht sich wieder in das Leben zu integrieren. Aufgrund ihrer Erfahrung können psychologische Schwierigkeiten auftreten. Möglich ist, dass es schwierig fällt die Rückkehr ins Leben zu akzeptieren und anhaltende Verstimmungen bis hin zur Depression auftreten. Der Berater sollte in solchen Fällen sensibilisiert sein, dass auch Dinge wie die NTE zu realen Veränderungen im Leben von Betroffenen und ihrem Umfeld führen können. So kann das Anliegen des Ratsuchenden ernst genommen werden. Oft besteht ein großes Bedürfnis sich frei über die Erfahrung austauschen zu können.
Eine andere Aufgabe ist die Integration der Erfahrung in das Leben. Betroffene sind oft verwirrt, wieso bisherige Wert- und Glaubensüberzeugungen sich abrupt verändert haben. Umstellung von Wertmassstäben bezieht sich nicht nur auf den Einzelnen sondern auch auf sein Umfeld, wie Familie, Freunde und den Arbeitsplatz. Scheidungen kommen häufiger vor als im Bevölkerungsdurchschnitt. Als Grund wird vermutet, dass unterdrückte Gefühle und Einstellungen nicht länger zurückgehalten werden und Menschen mit einer Nahtoderfahrung versuchen in Beziehungen offener, ehrlicher, bewusster und liebevoller zu leben.
Die Erfahrung und ihr Potential entfaltet sich nicht automatisch. Es ist ein Integrations- und Lernprozess notwendig. Hierbei kann der Berater oder Therapeut unterstützend tätig werden. Aus vielen Fallberichten geht hervor, dass Menschen mit einer NTE die neue Verantwortlichkeit, die sie empfinden für ihr Leben und ihre Mitmenschen auch wahrnehmen wollen. R. Moody beschreibt in seinem Buch „Das Licht von drüben“ Richtlinien, die in der Praxis für den Umgang mit solchen Erlebnissen angebracht sind.
Freies Sprechen über die Erfahrung
Die Betroffenen haben das Bedürfnis frei über ihre Erfahrung sprechen zu können. Der Therapeut sollte sich, wie es immer angestrebt wird empathisch und wertschätzend verhalten. Vor allem muss die persönliche Bedeutung der Erfahrung für das Individuum erkannt werden.
Vermitteln von Informationen (Bücher, Kontakte ect.)
NTEs sind keine Seltenheit! Dem Ratsuchenden kann vermittelt werden, dass nicht genau geklärt ist, wie solche Erlebnisse zustande kommen, dass aber ein großer Fundus an Literatur und wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema besteht.
Einbezug der Familie
Wichtig ist es die Familie und ggf. den Partner einzubeziehen. So kann die Veränderung gemeinsam erarbeitet werden und auch die Beziehung sich weiter entwickeln.
Zusammentreffen mit anderen Betroffenen
Als sehr erfolgreich zeigten sich auch Gruppensitzungen verschiedener Betroffener. Der Austausch zeigt den Menschen, dass sie nicht allein stehen und ihre Erfahrung offen teilen können.
Aus Berichten geht hervor, dass Menschen mit einer NTE sehr froh darüber sind zu wissen, dass es anderen Menschen ähnlich geht. Schwierigkeiten bei der Vermittlung des Erlebnisses, Angst stigmatisiert und ausgegrenzt zu werden, Probleme sich wieder in den Alltag einzufinden und auch die Schwierigkeiten sich mit der Familie und Angehörigen wieder zusammenzufinden. Der Berater sollte in einem solchen Fall informiert sein über die NTE und die Veränderungen, die sie hervorrufen können. Wenn diese Informationen vermittelt werden können und kann im Anschluss auch ein produktiver Beratungsprozess entstehen.