Physiologische Erklärungsversuch
Wie können diese Art von Erlebnissen zustande kommen? Es werden hier neurologische Gedankengänge vorgestellt, die Vermutungen anstellen, wie das Gehirn solche Erlebnisse produzieren könnte. Die folgende Auslegung wird sich auf einen rein materialistischen Standpunkt beziehen. Anschließend wir dieser hinterfragt und kritisch betrachtet. Wir bitten den Leser immer zu beachten, dass es sich um unvollständige und sehr vereinfachte Darstellungen handelt, die einen groben Überblick geben soll.
Wie weit bekannt, ist das menschliche Gehirn im Verhältnis zum Körpergewicht, das größte in der Tierwelt. Ein riesiges, sehr komplexes Universum von Funktionen und Abläufen eröffnet sich bei näherer Betrachtung der Hirnaktivitäten. Einige sollen kurz vorgestellt werden.
Der celebrale Kortex ist die „Außenhaut“ des Gehirns und kann in 4 große „Lappen“ aufgeteilt werden. Diesen Arealen werden verschiedene Funktionen zugeschrieben.
- Frontallappen
Dieser Bereich ist mit Aktionsplanung, Entscheidung und Bewegungskontrolle verknüpft. Zudem werden Abläufe zu Motivation und Angst in diesem Bereich angenommen.
- Parietallappen
Involviert in Tastgefühl, Körperwahrnehmung und das Erkennen 3-dimensionaler Objekte im Raum.
- Hinterhauptslappen
Die Sehnerven führen direkt in dieses Areal. Hier werden die Impulse umgeschaltet, in weiter Gehirnbereiche verschick und mit anderen Sinnen koordiniert.
- Temporallappen
Sehr interessant für unsere Belange ist dieser Bereich des Gehirns. Hier wird vermutet, dass sich Aktionen des Gedächtnis, Emotionsgenerierung und das Erkennen des eigenen Ichs abspielt. Komplexe Verknüpfungen von Signalen kommen hier zustande. Viele Elemente von mystischen Erfahrungen wurden in diesem Bereich gefunden. Verletzungen, bzw. durch Tumore und Ähnliches, können in diesem Areal zu spontanen mystischen Erfahrungen und auch Persönlichkeitsveränderungen führen. Bei Stimulation dieses Bereiches können sehr detaillierte Erinnerungen aus der Kindheit hervorgerufen werden. Dies wurde schon bei Patienten während Operationen am offenen Hirn hinsichtlich Emotionen (Angst, Freude, Zufriedenheit...) versucht. Bei Operationen am Gehirn ist es möglich eine lokale Narkose durchzuführen, da das Gehirn selbst nicht über Schmerzrezeptoren verfügt.
Im Temporallappen befinden sich Hippocampus und Amygdala die mit dem Hypothalamus verbunden sind. Der Hippocampus wird mit Gedächtnis und dem Erinnern verbunden, währen die Amygdala als Sitz der Motivation vermutet wird. Es wird zudem angenommen, dass hier emotionale Reaktionen entstehen können. Andere Annahmen vermuten hier die Kognition.
Das System des Hypothalamus wird als Steuerzentrale für das autonome Nervensystem und das Hormonsystem bezeichnet. Es reguliert das innere Erregungsniveau des Körpers und gibt Befehle zur Freisetzung von Hormonen an untergeordnete Systeme weiter. Somit werden hier Dinge wie Stress, Hunger, Durst, Entspannung ect. reguliert bzw. generiert..
Auch tiefere Bereiche des Gehirns sind in Emotionsgenerierung involviert. Vor allem scheinen Hirnstamm und, innerhalb dieser Struktur, das Mittelhirn, bei mystischen Erfahrungen mit eingebunden zu sein. Stoppen die aktivierenden Signale aus dem Mittelhirn an das Großhirn fällt der Mensch in Schlaf, was auch bei Narkose und Bewusstlosigkeit eine Rolle spielt.
Weiter wären noch Betrachtungen von Neurotransmittern, also Übertragunsgsstoffen der Nervenzellen und auch Betrachtungen der Nervenzellen selbst notwendig. Hormone wie Dopamin oder Serotonin, die auch bei Stimmungsschwankungen und psychischen Störungen (Depression) eine große Rolle spielen, sind zudem wichtig.
Auch so genannte bewusstseinserweiternde Drogen, wie LSD können mystische Erfahrungen hervorrufen und haben eine bestimmte Auswirkung auf das Gehirn. Körpereigene Halluzinogene (flapsig ausgedrückt: Körpereigene Drogen) die zum Beispiel an im Gehirn befindliche Cannabisrezeptoren binden könnten zudem eine Rolle spielen.
Weiterhin wurde die Hypothese aufgestellt, dass linke und rechte Gehirnhälfte unterschiedliche Funktionen ausführen (bei Rechtshändern: linke Gehirnhälfte rational und rechte Gehirnhälfte emotional).
Das Funktionsgeflechts des Gehirns ist sehr, sehr komplex. Signale die in das Gehirn gehen, direkt oder indirekt von Sinnesorganen, werden immer in mehreren Stufen verschalten, rückverschaltet und führen zu einer Reaktion, die sich nicht einmal im Verhalten zeigen muss. Die Zusammenhänge sind sehr komplex und wahrscheinlich noch umfangreicher, wie gedacht. Viele Annahmen sind nur auf Grund von Hypothesen gemacht worden und viel Forschung ist auf diesem Gebiet noch möglich.
Es bleiben folglich viele, viele Fragen und in vielen Bereichen noch unzureichende Antworten.
Kritik liegt auf der Hand und eine materialistische Auffassung scheint in vielen Bereichen zu einfach zu sein.
Hier sieht man das Verhältnis der Gehirne verschiedener Tiere und das des Menschen. Wichtig ist immer das Verhältnis des Volumes zur Körpergröße zu betrachten.
Die Ausführung bezieht sich vor allem auf einen Artikel von Peter Fenwick
Peter Fenwicks Einstellung zu diesem Forschungsbereich hat sich jedoch geändert. Siehe hierfür http://www.iands.org/research/important_studies/dr._peter_fenwick:_science_and_spirituality.html