Spezifizierung zur NTE
Die gerade aufgeführten Punkte müssen nun jedoch etwas genauer betrachtet werden.
Zunächst soll erwähnt sein, dass eine Nahtoderfahrung nicht unbedingt in Todesnähe vorkommen muss. Es ist auch möglich, dass ein großer Erschöpfungszustand oder eine Meditation ein Nahtoderlebnis hervorrufen kann. An der Universität von Wales bittet das Religious Experience Reserach Center seit Jahren in Zeitschriften und Fernsehen um Berichte religiöser Erfahrungen. Einigen Berichte lagen eindeutig NTEs zugrunde, wie sie von Moody, Ring ect. in der Literatur beschrieben wurden. 60 % (59 von 99) dieser Erlebnisse ereigneten sich im Schlaf, während einer Meditation oder sogar beim Spazierengehen. Eine offene Frage bleibt, wieso nicht bei allen Personen in Todesnähe NTEs auftreten.
Die Nahtodforscher unterscheiden die außerkörperliche Erfahrung (out of body experience; OBE) von der NTE. Der Betroffene hat bei der OBE das Gefühl sich bei vollem Bewusstsein aus dem Körper entfernt zu haben. Er scheint den Körper zu verlassen und die Szenerie von außen zu betrachten. Die beobachteten Ereignisse werden von den Menschen korrekt wiedergegeben (Rettungsmaßnahmen, Ärzte, ect.). Das Realitätsgefühl kann mit dem der Alltagsrealität verglichen werden. Ungewöhnliche ist die Perspektive, aus der die Szenerie betrachtet wird; unter der Decke, d.h. von oben, am Fußende des Bettes oder etwas abseits der Unfallstelle. Wahrnehmung und Verstand scheinen normal zu funktionieren, klare Denkprozesse werden beschrieben.
Nun gibt es Erlebnisse, die an diesem Punkt aufhören und die Menschen kehren in ihren Körper zurück. Dies würde einer OBE entsprechen.
NTEs haben jedoch einen weiteren Verlauf, der als Transzendenzerfahrung bezeichnet werden kann. Im Folgenden sollen die Elemente beschrieben werden, die während einer Erfahrung erlebt werden. Bitte beachten Sie, dass es sich um sprachlich vermittelte Konzepte handelt und die Betroffenen oft betonen, dass die Erfahrung mit den Worten der menschlichen Sprache nicht erfasst werden kann. Es geht um einen Versuch der Umschreibung.
Das Verlassen des Leibes
Hierbei handelt es sich um die schon oben beschriebene OBE. Die Betroffenen haben das Gefühl aus ihrem Körper hinauszugeleiten und in einen anderen Zustand (vielleicht beschreibbar mit einer Art spirituellem Körper) überzugehen. Körper ist hierbei ein etwas irreleitendes Wort, da es sich nicht um eine greifbare oder physische Form handelt. Menschen mit Behinderungen oder Amputationen erzählten, sie fühlten sich ganz und ohne Handicap. Die Menschen überkommt ein großes Gefühl von Ruhe und Wohlbehagen. Viele erzählen, dass sie die Aufregung um ihren Körper, der vielleicht reanimiert oder operiert wird nicht verstehen können. Versuche mit den Ärzten in Kontakt treten zu wollen oder sie von weiteren Eingriffen abhalten zu wollen schlagen fehl. Der physische Körper scheint nicht mehr wichtig zu sein und die Menschen möchten diesen zurücklassen. Es kann alles mitverfolgt werden; Gespräche werden wahrgenommen, Handlungen verfolgt und aus verschiedenen Perspektiven im Raum betrachtet. Auch wird berichtet, dass in gedankenschnelle andere Orte oder Personen aufgesucht werden können. So denkt die Mutter im Krankenhaus an ihre Familie zu Hause und schon ist sie bei ihnen. Das Wichtigste ist jedoch nicht die Tatsache, was man alles beobachten und machen kann, sondern der Gefühlszustand in dem man sich befindet. Die Menschen empfinden sich als von noch nie erfahrener Liebe, Glück, Freiheit, Wertschätzung, Ruhe und Erfüllung überströmt. Das steigert sich noch im Laufe der Erfahrung.
Der Tunnel
Der Begriff des Tunnels ist wohl einer der allgemein bekanntesten bei NTEs. Dennoch ist es auch hier nur ein Wort mit dem ein Zustand umschrieben werden soll. Es geht um ein Zuströmen auf die oben beschriebenen Gefühle, die sich in einem strahlenden Licht zu verdichten scheinen. Dieses oft als Reise beschriebene Gefühl wird erfahren als Gleiten durch einen warmen, dunklen, weichen Raum (der „Tunnel“). Die Dunkelheit erscheint wunderschön, allumfassend und endlos. Die Menschen bewegen sich stetig auf das Licht zu.
Lichtwesen
Bevor die Menschen in das Licht eingehen können werden sie von Lichtwesen, die sich als verstorbene Verwandte, Freunde ect. entpuppen aufgehalten. Diese scheinen die Menschen zu begrüßen und sie zu unterstützen. Auch wird beschrieben, dass unbekannte Lichtwesen als Schutzengel erkannt bzw. bezeichnet wurden. Diese Wesen kommunizieren nun mit den Betroffenen, mahnen sie zur Rückkehr in ihren Körper, zeigen ihnen Folgen ihres Todes bei Familie, Freunden, Kindern auf. In manchen Fällen wird berichtet, dass die Möglichkeit zwischen Tod und Leben zu entscheiden besteht, den Menschen aber nahe gelegt wird wieder ins Leben zurück zu kehren.
Rückschau
Hierbei handelt es sich um ein Erleben aller wichtigen Stationen des vergangen Lebens. Die Erfahrung geht weit über das hinaus, was für uns vorstellbar ist. Dieser Lebensrückblick wird als außerordentlich bereichernd beschrieben, kann jedoch auch als erschreckend erfahren werden. Genauer handelt es sich um Folgendes: Die Menschen durchleben die wichtigen Stationen ihres Lebens nochmals. Gleichzeitig sehen sie die Auswirkungen ihres Handelns auf ihre Mitmenschen. Sie durchleben auch ihre Gefühle und erkennen, wie sich der Gegenüber durch Äußerungen verletzt, geschmeichelt, freudig belebt oder zu Tode betrübt fühlte. Die Folgen des gesamten Tuns, die guten, wie die schlechten werden erkannt. Wichtige Stationen sind somit nicht unbedingt Berufsübertritte, Einzug in ein neues Haus ect., sondern auch auf die Mitmenschen bezogene Interaktionen und kleine Dinge, denen man sich im Alltag nicht genügend bewusst ist, wie Gedanken oder nur Blicke. Somit ist auch hier die Ebene der Erfahrung stark vergrößert und geht weit über den alltäglichen Erfahrungshorizont hinaus. Hieraus entsteht wohl auch das Problem die Erfahrung in Worte zu fassen. Verbunden mit der Rückschau (oder auch unabhängig davon) kann ein Gefühl sein mit der Quelle allen Wissens verbunden zu sein. Alle Fragen seien sie wissenschaftlich, spirituell oder anders scheinen beantwortet. Nicht mit dem Verstand sondern mit dem gesamten Sein werden die Antworten erfasst. In Erfahrungsberichten wird beschrieben, dass es nun nicht 5 Sinne sondern unglaublich viele Dimensionen des Erfahrens geben würde. Gedanken könnten parallel gemacht werden und in sekundenschnelle beantwortet sein.
Rückkehr in den Körper
Wie schon angesprochen werden die Betroffenen aufgefordert wieder in ihren Körper zurück zu kehren. Viele beschreiben diese Nachricht als niederschmetternd, erzählen sie hätten geschrieen, sich gewehrt und geweigert, um diesen Zustand nicht verlassen zu müssen. Einige Personen beschreiben ein Gefühl in den physischen Körper hineingezogen zu werden und nun den ganzen Schmerz des Unfalls, alle körperlichen Schmerzen, die Enttäuschung über die Rückkehr ect. in außerordentlich schmerzlicher Erfahrung vor Augen geführt zu bekommen.
Zur Verdeutlichung scheint nochmals ein Erfahrungsbericht angebracht. Aufgenommen wurde dieses Viedo beim jährlichen Treffen des internationalen Verbands für Nahtodforschung. Weiter Videos sind dort zu finden.
So weit also zu den Erfahrungen, die eine NTE auszeichnet. Sehr interessant und auch in einigen Studien nachgewiesen ist die Veränderung von Werten, Zielen und Prioritäten die Menschen mit solch einer Erfahrung im Nachhinein durchmachen. Diese Veränderungen laufen nicht immer unproblematisch ab. Oft kommt es vor, dass Ehen geschieden werden oder Menschen sich von ihrem alten Umfeld distanzieren. Auch bei denen, die die Erfahrung hinter sich haben gibt es oft Schwierigkeiten die Erfahrung in das alltägliche Leben zu integrieren. Genauer sollen diese Punkte im Abschnitt "Menschliche Veränderungen" besprochen werden.
<<zurück Menschliche Veränderungen>>