Umgang mit Tieren
Haltung
Tiere sollten möglichst artgerecht gehalten werden. „Artgerechte Haltung“ tönt schön und einfach, aber was versteht man eigentlich darunter? Sie orientiert sich an den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere und ermöglicht ihnen somit, natürliche Verhaltensweisen beizubehalten. Um dieses oberste Ziel zu erreichen, müssen folgende Kriterien unbedingt eingehalten werden:
- an den natürlichen Lebensraum angepasste Bedingungen
- ausreichendes Platzangebot mit Rückzugsmöglichkeiten
- weitreichender Auslauf
- getrennte Bereiche für Fressen, Defäkieren und Liegen
- natürliches Futterangebot
- bestmöglich angepasstes Stallklima
- dem Sozialverhalten angepasste Grösse der gehaltenen Tiergruppe
Es ist nahe liegend, dass die artgerechte Haltung einen Kompromiss zwischen den natürlichen Bedürfnissen der Tiere und den Interessen des Menschen darstellt. Domestizierte Tiere haben sich im Laufe vieler Generationen an die Bedingungen eines Lebens neben dem Menschen gewöhnt. Sie haben jedoch noch ihre natürlichen Verhaltensweisen, welche sie ausleben wollen und was vom Tierhalter respektiert werden muss. Hierzu zählen zum Beispiel der Bewegungsdrang, der Jagdinstinkt oder das Bedürfnis, sich zu verstecken.
Nebst einer artgerechten Haltung ist bei der therapeutischen Arbeit mit Tieren zu beachten, dass diese nicht gestresst und überarbeitet werden. Deshalb ist wichtig, dass die Therapeuten lernen, die Bedürfnisse der Tiere zu erkennen, auf diese einzugehen und dem Tier auch nicht eingeplante Pausen zu gönnen.
Hygiene
Bei einer Umfrage zur Integration von Tieren in die psychotherapeutische Arbeit in Kliniken, Abteilungen und Stationen für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat Prothmann (2004) herausgefunden, dass der häufigste Grund, Tiere nicht in eine Therapie zu integrieren, Hygieneauflagen betreffen.
Dabei sind die Bedenken von den vielen Abteilungsleitern nicht nachvollziehbar, denn mit einem guten Hygiene- und Risikomanagement kann Infektionen, körperlichen Gefahren und Verletzungen entgegengewirkt werden. Neben den Massnahmen nach dem Kontakt mit dem Tier (hier genügt meist einfaches Händewaschen!) können vor allem präventiv Risiken eingeschränkt werden.
Krankheiten, welche vom Tier auf den Menschen übertragen werden, nennt mann Zoonosen. Greiffenhagen und Buck-Werner (2007) betonen die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der Human- und Veterinärmedizinern. Dass dieses Thema ernstzunehmen ist, zeigt sich sehr deutlich, wenn man die Zoonosen nur eines einzelnen Tieres auflistet (hier zur Tabelle der Zoonosen der Hunde). Der Erfolg, den eine Therapie mit Tieren gewährleistet, übertrifft jedoch das Erkrankungsrisiko.
Der einfachste Weg, Menschen vor einer Infektion durch Tiere zu schützen, ist die Tiere selbst zu schützen. Das bedeutet, dass man sich über Impfmöglichkeiten informiert und diese durchführt. Bei Hunden und Katzen ist eine regelmässige Entwurmung notwendig. Zudem sind gut ernährte und artgerecht gehaltene Tiere in der Regel weniger anfällig für Erkrankungen. Nebst dem Schutz der Tiere sollte den Patienten der richtige Umgang mit den Tieren beigebracht werden, damit Verletzungen und Infektionen vermieden werden können. So kratzen einige Tiere beispielsweise, wenn man sie falsch hoch hebt, andere beissen, wenn man sie nicht mit flacher Hand füttert etc.
Ist ein Klient ans Bett gebunden und wird das Tier deshalb ins Bett gelegt, kann man vorher eine Decke als Unterlage platzieren. Diese ist danach einfach zu entfernen und zu reinigen. In jedem Fall sollte ein Tier zwar berührt werden können, vor zu engem Kontakt wie beispielsweise „Schmusen“ wird jedoch abgeraten. Natürlich sollte der Kontakt mit den Hinterlassenschaften der Tiere vermieden werden.
Wird eine Therapie in dafür vorgesehenen Räumlichkeiten durchgeführt, sollten diese darauf hin konzipiert sein. Nach Prothmann (2007) sind glatte Oberflächen wie Platten oder Laminat zwar einfach zu reinigen, bieten jedoch für Patient und Tier keine gute Basis für eine Interaktion. Zum einen setzen sich Patienten, insbesondere Kinder, gerne zu den Tieren auf den Boden, was auf einem kalten und harten Untergrund nicht angenehm ist. Zum anderen ist für die Tiere eine derart rutschige Oberfläche nicht von Vorteil, denn ihr Bewegungsdrang wird dadurch eingeschränkt. Moderne Textilbeläge bieten Vorteile in all diesen Belangen und können ohne Weiteres öfters gereinigt werden, da sie sehr robust sind.
Wird eine Station von Tieren besucht oder leben welche auf einer Station, sollte unbedingt ein Hygieneplan erstellt werden. Schwarzkopf (2003) erwähnt dabei folgende Punkte:
- Einleitung: Beschreibung des Ziels der tiergestützten Therapie, der Tierbesuche bzw. der Tierhaltung und Erläuterung der Absicht des Dokumentes
- Ansprechpartner: Benennen eines Ansprechpartners/ Hygienebeauftragten mit Telefonnummer
- Rechtsgrundlagen: Auflisten der relevanten Rechtsgrundlagen
- Dokumentation zum Tier: Kurze Beschreibung der Tiere (Art/Rasse, Charakter, Eingungsprüfung) und Aufbewahrung der Impfzeugnisse, Entwurmungsprotokolle, Versicherungszeugnisse
- Zugangsbeschränkungen für Tiere: Auflistung der Räume, welche die Tiere nicht betreten dürfen (Küchen, Wäschelage, Zimmer und Aufenthaltsräume von akut erkrankten Bewohnern und Patienten mit Tierallergien)
- Anforderungen an das Personal: Das Personal ist zu informieren und muss vorbereitet werden
- Reinigung und Desinfektion: Hygieneplan und Risikomanagement
Bei Patienten mit Tierhaarallergien oder mit starker Immunschwäche (z.B. HIV oder nach einer Chemotherapie) müssen der erwartete Nutzen der Therapie gegen die möglichen Risiken abgewägt werden. Doch „im Grossen und Ganzen kann unbedenklich gesagt werden, dass die zu erwartende Freude und heilende Auseinandersetzung mit dem Tier bei weitem die möglichen Infektionsrisiken überwiegt. Dies um so mehr, als das die meisten Infektionen heute relativ problemlos therapiert werden können.“ (Schwarzkopf, 2003)
Tiergestützte Psychotherapie
Quelle: Prothmann, Anke (2007). Tiergestützte Kinder- psychotherapie. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH.
Quelle: Schwarzkopf, A (2003). Hygiene: Voraussetzung für Therapie mit Tieren. In: Olbrich, E & Otterstedt, Carola (Hrsg.). Menschen brauchen Tiere. Stuttgart: Franckh- Kosmos Verlag-GmbH.