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Mensch und Tier  

Einführung

Der Mensch - selbst ein Säugetier - hat sich schon seit mehreren Tausenden von Jahren die Fähigkeiten und Eigenschaften anderer Tiere zum Nutzen gemacht. Ob als sinnesreiche Unterstützung bei der Jagd, als kräftiges Zugtier auf dem Acker oder als Lasttier auf unwegsamem Untergrund, als Wärme- und Nahrungsspender, als Warnsignal und Sicherheit vor wilden Tieren und feindlich gestimmten Menschen, als schnelles und bequemes Transportmittel oder als treuer Weggefährte – Tiere schenken unserem Leben einen unermesslichen Reichtum. Ohne Tiere stünde der Mensch nicht da, wo er heute steht.

Diese Einführung lässt vermuten, der Mensch sei der alleinige Profiteur der Mensch-Tier-Beziehung, oftmals gleicht diese Verbindung jedoch eher einer Symbiose. Der gewissenhafte Mensch war und ist stets bedacht, seine ihm treuen und überlebenssichernden Tiere zu nähren und in Gefahrensituationen zu beschützen – im gleichen Ausmass wie die eigenen Artgenossen, denn der Verlust eines geliebten Haustieres ist oft genauso schmerzhaft wie derjenige eines Verwandten. So ist das Interesse des Menschen an einer Tierart eine gute Voraussetzung für deren Fortbestand. Dies kann eindrücklich an der mehr als 100'000 Jahre währenden gemeinsamen Evolution von Mensch und Hund (bzw. Wolf - alle Hunde stammen von Wölfen ab) aufgezeigt werden (weiterlesen).

 

Für eine Therapie geeignete Tiere

Aus diesem Jahrhunderte langen Zusammenleben und –arbeiten, haben sich manche Tiere an den Menschen gewöhnt und sind daher besser für die Therapie geeignet als nicht domestizierte Tiere.  Dies bringt zwei Vorteile mit sich: Zum einen findet die Therapiearbeit in ihrer gewohnten Umgebung statt, eine artgerechte Haltung ist  somit garantiert und zum anderen ist es für sie kein Stress mit Menschen zusammenzuarbeiten. Bei Wildtieren kann leider oft keine artgerechte Haltung ermöglicht werden und die Tiere fühlen sich evolutionär bedingt eher unwohl in der Präsenz von Menschen. Deshalb sind Wildtiere wie der Delphin, auch bei wirksamer Therapie, nicht geeignet; das Wohl der Tiere muss nämlich gewährleistet sein (Siehe Factsheet Delphintherapie).
Grundsätzlich lässt sich also sagen, dass vor allem Haus- und Nutztierarten für eine Therapie geeignet sind. Bei der Auswahl des am besten geeigneten Tieres muss der Ort des Geschehens beachtet werden. Für Settings in geschlossenen Räumen sollten Tiere beispielsweise stubenrein sein. Zudem spielt die Art und Weise, wie ein Tier in die Therapie einbezogen wird, eine wichtige Rolle: Nicht alle Tiere eignen sich für eine stationäre Unterbringung. Hunde etwa brauchen eine ständige Bezugsperson und können deshalb nicht wie Katzen, welche zu vielen Menschen gleichzeitig eine enge Beziehung aufbauen können, als Stationstiere gehalten werden (mehr dazu).

 

Die wirkungsvolle Beziehung von Mensch und Tier

Die Beziehungen zu unseren Haustieren haben einen sehr positiven Einfluss auf soziale Kompetenzen, Selbstbewusstsein und das generelle Wohlbefinden. Ängstlichen bieten sie Sicherheit, Einsamen sind sie ein Wegbegleiter und für Image-Bewusste stellen sie ein Statussymbol dar. (Gunter, 1999)
„Die Begegnung mit einem Tier besitzt eine Beziehungsqualität, welche auf unsere Lebensqualität positiv wirkt. Nicht das Tier an sich, vielmehr die freie Begegnung mit dem Tier und der Dialog mit ihm ist hilfreich, spricht u.a. Emotionen, Hormone an und setzt so Impulse für einen möglichen heilenden Prozess.“ Eine detaillierte Beschreibung der bio-psycho-sozialen Wirkungsweise von Tieren finden Sie hier.

 

Biophilie – Zurück zu den Wurzeln

Unser ganzes Projekt zur tiergestützten Psychotherapie trägt einen Teil zur Klärung der Frage „Warum überhaupt Tiere?“ bei. An dieser Stelle möchten wir die Biophilie – die nach unserer Meinung fundamentalste Antwort auf die eben genannte Frage – kurz, aber möglichst prägnant darstellen. „Biophilie ist ein biologisch begründeter Prozess, der sich in der Stammesgeschichte entwickelt hat. Der Begriff beschreibt die Menschen inhärente Affinität (Anziehungskraft) zur Vielfalt von Lebewesen in ihrer Umgebung ebenso wie zu ökologischen Settings, welche die Entwicklung von Leben ermöglichen.“(Olbrich, 2003, S. 69)
Der Mensch wurde in die Natur hineingeboren und hat sich über Jahrtausende mit ihr entwickelt. Aus diesem Grund verspürt er ein Bedürfnis nach allem Lebendigem, welches für seine geistige und körperliche Gesundheit essentiell ist. Nach Iltis (1980, zitiert nach Olbrich, 2003, S. 75) gibt die „Bewahrung des natürlichen Ökosystems [...] dem Körper und der Seele die Chance, so zu funktionieren, wie das ursprünglich in ihrer phylogenetischen Heimat ausgewählt wurde.“ In einer verstädterten Welt, welche von Medien und Technik geprägt ist, bietet das Zusammensein mit und den gelebten Kontakt zu Tieren eine Chance, zurück zu den Wurzeln zu gelangen und eine Einheit mit der Natur zu spüren.  

 

 
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Links und Literatur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→ Auf der folgenden Seite findet sich unter anderem eine kritische Betrachtungsweise      der Delphintherapie:
http://www.oceancare.org

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
Quelle: Otterstedt, C (2003). Der heilende Prozess in der Interaktion zwischen Mensch und Tier. In: Olbrich, E & Otterstedt, Carola (Hrsg.).  Menschen brauchen Tiere. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlag-GmbH.

 

 
 

Quelle: Olbrich, E (2003). Biophilie: Die archaischen Wurzeln der Mensch-Tier- Beziehung. In: Olbrich, E & Otterstedt, Carola (Hrsg.).  Menschen brauchen Tiere. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlag-GmbH.

→ Dieses Kapitel ist für eine umfassendere Auseinander- setzung mit dem Thema Biophilie sehr zu empfehlen.