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Fallbeispiele  

Corson und Kollegen (1975) führten eine der ersten und bedeutsamsten Studien über tiergestützte Psychotherapie in einer psychiatrischen Anstalt durch. Diejenigen psychotischen Patienten, bei denen jeder Therapieversuch (Pharmatherapie, Elektroschocktherapie etc.) misslang, wurden in die Studie aufgenommen. Als erstes versuchte man mit ihnen in ein Gespräch zu kommen, indem sie Tiere als Thema benutzten. Hier zeigte sich ein interessanter Effekt: "Gerade Menschen, die sich besonders stark von ihrer Mitwelt abgekapselt hatten, reagierten lebhaft. Schon die blosse Nennung des Wortes 'Hund' oder 'Katze' löste positive Gefühlsreaktionen aus und brachte bei vielen das erste Gespräch zwischen Kranken und Ärzten in Gang." (Greiffenhagen & Buck-Werner, 2007, S. 163)

In einem nächsten Schritt durften die Patienten je nach Schweregrad ihrer Erkrankung direkt oder zu einem späteren Zeitpunkt mit den Tieren in Kontakt treten. Von den 50 untersuchten Patienten wurden 5 typische Fälle genaustens dokumentiert. Alle Teilnehmer, mit Ausnahme von dreien, welche mit keinem Tier in Kontakt treten wollten, zeigten Zeichen von Verbesserung ihres Befindens.

Im Folgenden möchten wir zwei dieser detaillierten Fallstudien kurz darstellen. Wir zitieren dabei wörtlich Greiffenhagen und Buck-Werner (2007, S. 164-166).

 

RANDY

Randy war ein 13-jähriger Junge, der auf Grund mehrerer Fälle von Exhibitionismus in die Klinik eingewiesen worden war. Er war scheu und kapselte sich von den übrigen Kranken vollständig ab. Gelegentlich war er hyperaktiv und spielte den anderen Patienten Streiche. Randy durfte die Station nur in Begleitung verlassen, weil er zweimal aus der Klinik entwichen war, um sich auf dem nahe gelegenen Universitätscampus vor Studentinnen zu entblössen: beide Male, nach dem er sich zuvor von einem Therapeuten zurückgesetzt fühlte oder weil er Angst hatte, den Therapeuten an eine andere Station zu verlieren.

In den sechs Monaten seiner Behandlung hatte Randy keinerlei Fortschritte gemacht; er blieb gegen Ärzte verschlossen und sprach auf keine Massnahme an. Randy bekam "Whisky" in Pflege und durfte täglich eine Stunde lang mit dem Hund ausserhalb des Klinikgeländes spazieren gehen. Randys Verhalten änderte sich schlagartig; er versorgte das Tier ganz allein, unterhielt sich mit anderen Kranken über das Tier, wurde ruhiger und hörte auf, anderen Patienten Streiche zu spielen. Unglücklicherweise wurde Randy einen Monat nach Beginn des Versuchs aus der Klinik entlassen, weil für die weitere Behandlung kein Geld aufgebracht werden konnte.

   

 

SONNY

Sonny war ein 19-jähriger Psychotiker, der fast ständig im Bett lag und an nichts und niemandem das geringste Interesse zeigte. Das Tier bewirkte bei ihm einen Durchbruch, der künftig auch andere Therapien erlaubte. Wir zitieren in diesem Fall wörtlich aus Corsons Bericht:

"Der Patient lag in seiner üblichen Mumienhaltung im Bett. Der Psychiater stand neben dem Bett und sprach mit dem Kranken. Wenn der Psychiater fragen nach anderen Menschen oder Sonny selbst stellte, kam Sonnys Antwort sehr langsam, mit unter erst nach einer viertel oder halben Minute. Wenn der Arzt Fragen nach einem Hund ('Magst du Hunde?') oder nach anderen Tieren stellte, kam die Antwort viel schneller, nach ein bis zwei Sekunden etwa. Sonnys Antworten waren alle sehr kurz: Ja, Nein oder Ich weiss nicht. Bei alldem blieb er mit leerem Gesichtsausdruck unbewegt liegen.

Als der Psychiater den Hund "Arwyn", einen Drahthaar-Foxterrier, an Sonnys Bett brachte, stützte sich Sonny auf den Ellbogen, und ein ausgeprägtes Lächeln erhellte sein Gesicht. Der Hund sprang zu Sonny aufs Bett und leckte ihm Gesicht und Ohren. Sonny wälzte sich beglückt mit dem Hund auf dem Bett. Dann stellte er seine erste Frage: 'Wo kann ich den Hund lassen?' Dann setzte er sich auf, verliess zu aller Erstaunen das Bett und rannte dem Hund nach, der fröhlich vorauslief.

In den Tagen nach diesem Ereignis wurde Sonny zunehmend aktiver [...] Er nahm jetzt Notiz von den anderen Patienten auf seiner Station. Er hörte, dass einigen die Elektroschocktherapie gut getan hatte, und wollte auch eine Behandlung. Er ging auch freiwillig mit anderen kranken zur Gruppentherapie [...] Als er entlassen wurde, antwortete er auf alle Fragen innerhalb einer Sekunde, und die Länge seiner Antworten war auf ca. 20 Sekunden gestiegen. Der Psychiater bewertete Sonnys ersten Kontakt zu dem Hund als den 'Wendepunkt' in seiner Krankheitsgeschichte."

 

 

 
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Links und Literatur

 

 

Quelle: Greiffenhagen, S. & Buck-Werner, O. N. (2007). Tiere als Therapie: Neue Wege in Erziehung und Heilung. Mürlenbach: Kynos Verlag Dr. Dieter Fleig GmbH.