Beurteilung der Wirkung
Im deutschen Sprachraum findet man kaum Literatur zur Evaluation von tiergestützter Psychotherapie. Anke Prothmann präsentiert jedoch in ihrem Buch „Tiergestützte Kinderpsychotherapie“ interessante Wirksamkeits- studien aus ihrer eigenen Forschung. Als erstes möchten wir hier nun ein Ergebnis daraus vorstellen, weiter unten findet sich die Zusammenfassung einer Metaanalyse aus dem Amerikanischen.
Einflüsse auf die Befindlichkeit
Prothmann (2007) konnte mehreren Studien mit Therapiebegleithunden einen äusserst positiven Einfluss auf die Befindlichkeit von Kindern und Jugendlichen in stätionärer Behandlung nachweisen. Im Folgenden beschränken wir uns dabei auf die Ergebnisse einer einzigen Studie.
Mit Hilfe der Basler Befindlichkeitsskala (BBS) wurde vor und nach der tiergestützten Therapie die aktuelle Befindlichkeit der Probanden erhoben. Die Ergebnisse zeigten auf allen Dimensionen der BBS hoch signifikante Unterschiede zwischen der Prä- und der Postmessung, wobei Patienten mit niedrigerem Ausgangswert eine stärkere Verbesserung der Befindlichkeit aufwiesen. Es ist zu betonen, dass in keiner der untersuchten Störungsklassen ein positiver Effekt des Hundes ausblieb. Am meisten scheinen die Patienten, welche unter einer Psychose leiden, von der AAT mit Therapiebegleithunden zu profitieren. Mehr zu dieser Studie hier.
Die BBS beinhaltet folgende Dimensionen:
- Vitalität - Intrapsychischer Gleichgewichtszustand
- Soziale Extravertiertheit
- Vigilität
- Gesamt-Antrieb (Summenscore)
Animal-Assisted Therapy: A Meta-Analysis
Diese Metaanalyse wurde von Janelle Nimer und Brad Lundal (2007) an der Universitiy of Utah durchgeführt. Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung von Primäruntersuchungen mit der Absicht, einen Gesamteffekt zu ermitteln. In der vorliegenden Metaanalyse wurden drei Ziele verfolgt:
- den durchschnittlichen Effekt der tiergestützten Therapie zu ermitteln
- die Stabilität dieses Effektes zu untersuchen
- zu bewerten, ob eine Variabilität in der Durchführung der Therapie
und/oder der Eigenschaften der Teilnehmer den Effekt beeinflusst
Von insgesamt 250 Studien erfüllten 49 die methodischen Kriterien und wurden für die Beantwortung dieser Fragen verwendet. Gemittelt über die vier Bereiche, in welche die Studien weiter unterteilt wurden, zeigte sich ein mittlerer Effekt der positiven Entwicklung durch tiergestützte Therapie. Hohe Effekte konnten in der Veränderung von autistischem Verhalten, mittlere bis gute Effekte für behaviorale und medizinische Indikatoren und immerhin noch leichte bis mittlere Effekte für Befindlichkeits- verbesserungen gezeigt werden. Diese gefundenen Effekte erwiesen sich als stabil, was bedeutet, dass jeder gezeigte Effekt die Wirksamkeit in der dazugehörigen Domäne tatsächlich repräsentiert.
Entgegen zu den Erwartungen konnte keinen Einfluss der Eigenschaften der Teilnehmer und der Studie festgestellt werden, woraus geschlossen werden kann, dass tiergestützte Therapie für alle oder zumindest die meisten Patienten in verschiedensten Settings hilfreich sein kann. In dieser Metaanalyse zeigte sich AAT als viel versprechender Zusatz zu bestehenden Interventionen und zukünftige Forschung sollte untersuchen, unter welchen Umständen AAT am hilfreichsten ist.
Eine detailliertere Zusammenfassung inklusive Tabellen finden Sie hier.
Tiergestützte Psychotherapie
Quelle:
Nimer, J. & Lundahl, B. (2007). Animal-Assisted Therapy: A Meta-Analysis. Antrozooes, 20 (3), 225-235.