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Umgang Umfeld  

Wie reagieren, wenn man merkt, dass jemand suizidgefährdet ist?

Man kann auf verschiedene Art und Weise reagieren, wenn sich eine suizidale Person im Umfeld befindet. Was ist nun aber die beste Reaktion?

 

In diesem Abschnitt befinden sich einige Ratschläge und Hinweise, wie man bei einem allfälligen Suizidrisiko einer anderen Person angebracht handeln könnte.  

 

Die Alltagsweisheit: „Personen, die den Suizid ankündigen bringen sich nicht um“ stimmt nicht. Etwa 8 von 10 Jugendlichen kündigen ihren Suizid an, bevor sie ihn ausführen. Dies kann auf verschiedene Art und Weise geschehen. Entweder direkt oder indirekt, z.B. durch Zeichnungen, Beschäftigung mit entsprechenden literarischen Themen, Gedichten usw. Die Stimmung und das Verhalten vor einem Suizidversuch ändern sich sehr stark. Die Änderung durch Suizidgedanken zeigt sich in folgenden Merkmalen: Apathie, Traurigkeit, Unruhe, Gereiztheit, Leistungseinbruch, Rückzug, Isolation, Vernachlässigung der persönlichen Hygiene und Verschenken von Eigentum. Viele Warnzeichen sind aber auch nicht direkt sichtbar, wie z.B. Einengung der Gedanken und Gefühle, gehemmte Aggression und Flucht in die Irrealität (siehe Klinik).

 

Einem Suizidgefährdeten Menschen zu helfen ist sehr schwierig. Häufig haben die helfenden Personen Angst z.B. vor der Hilflosigkeit, vor der Überforderung, vor Aggression oder vor dem Tod. Aus diesem Grund muss die helfende Person eine gute Selbstwahrnehmung haben, um ihre eigene Neigung zum Suizid wahrzunehmen. Bei guter Selbstwahrnehmung wird die helfende Person nicht versuchen den Suizidgefährdeten nur mit Trost wie z.B. „Denkst du denn nicht an deine Freunde, die dich schätzen?“ oder „Denk doch nur wie schön das Leben sein kann…“ zum Leben zu ermutigen. Solche Äusserungen helfen nicht; Trost und Ermutigung können bei einem Betroffenen dazu führen, dass er sich nicht ernst genommen fühlt in seiner Verzweiflung.

 

Die soziale Unterstützung ist sehr wichtig. Dabei sollte man versuchen eine gute Beziehung zu der suizidgefährdeten Person aufzubauen. Sie sollte sich verstanden fühlen und merken, dass sie mit anderen über ihre Probleme sprechen kann. Durch eine gute Beziehung zur suizidgefährdeten Person kann diese auch wieder zu sich selbst finden.

 

Bei einem Verdacht auf Suizid oder Suizidversuch ist es wichtig sofort zu handeln. In solchen Fällen ist es nötig, das Schweigeversprechen eines Freundes zu brechen, um ihn zu schützen. Verschiedene Möglichkeiten sind:

  • Gute, aufrichtige Beziehung herstellen
  • Einweisung in eine Klinik (bei starken suizidalen Gedanken)
  • Abgeben von Beratungsadressen (siehe Links)
  • Verweisung an eine Fachperson (siehe Links)
  • Vereinbaren, sich bis zum nächsten Treffen nicht umzubringen.

Bei einer Suizidgefährdeten Person ist es sehr schwierig herauszufinden, wie stark der Wunsch zum sterben wirklich ist. Nur Fachleute können diese Absicht klar herausfinden. Drei wichtige Kriterien sind dabei:

  • Wie stark ist der Wunsch zu sterben (Suizidintention)?
  • Wie schnell fand man die Person nach dem Suizidversuch? Hatte er ein einfaches oder schwieriges Versteck ausgelesen (Suizidarrangement)?
  • Wie wahrscheinlich wäre der tödliche Ausgang (Suizidmethode)?

Lehrer/Eltern:

Für Lehrer und Eltern gibt es weitere Möglichkeiten zu handeln:

  • Das Life Space Interview ist ein therapeutisches Gespräch im aktuellen Lebenskontext (Fritz Redl 1971): Es wird sofort bei den ersten Anzeichen einer Krise eingesetzt. Das Gespräch dient dazu die innere Stabilität wieder herzustellen, um somit einen allfälligen Suizid zu verhindern.
  • 1961 wurde in Wien (Hauptsitz) von Ringel die „Internationale Vereinigung für Selbstmordprophylaxe“ gegründet. Alle zwei Jahre werden in den verschiedenen Mitgliedsländern Kongresse über Suizidverhütung und Kriseninterventionen durchgeführt.
  • Für Ringel (1965) gibt es 3 Einstellungsarten, welche die Suizidprävention behindern. Somit sollte man versuchen diese Einstellungen zu verändern. Die 3 Einstellungen sind:
    • Gleichgültige Einstellung: diese entstand aus dem Individualismus, durch welchen man alles als Privatsache ansieht. Somit denkt jeder, dass er nicht an suizidgefährdete Menschen herankommt.
    • Die Einstellung, welche den individuellen Selbstmord fördert: Diese fördert die Sichtweise einen Suizid als letzte Lösungsmöglichkeit anzusehen, um die totale persönliche Freiheit zu erlangen.
    • Die Verurteilung des Selbstmordes: Diese Einstellung fördert die Tabuisierung des Suizids, was eine Prävention sehr schwierig macht.

Prävention:

Heutzutage versucht man vor allem die psychologisch-psychiatrische Versorgung der Allgemeinbevölkerung zu verbessern und die Grundeinstellungen zu Lebensbedingungen zu ändern (Dies betrifft Grundeinstellungen aus denen heraus Suizidversuche oder Suizide unternommen werden (z.B. Partnerkonflikte, Leistungsversagen, Fremdenhaß,…)). Gleichzeitig wird auch die Gesamtbevölkerung aufgeklärt, da die Suizidversuche meistens vorher angedeutet werden.

 

Es gibt drei Arten von Prävention:

  • Primärprävention
  • Sekundärprävention
  • Tertiärprävention

Primärprävention = Verhütungen von erstmaligen Suizidversuchen und Suiziden.

  • Strukturelle Veränderung: Verbesserung der psychiatrisch-psychologischen Versorgung
  • Kommunikative Massnahmen: Verbesserung der Aufklärung der Allgemeinheit, aber auch der Fachleute.
  • Förderung von Fertigkeiten z.B. Umgang mit Stress
  • Förderung der psychischen Gesundheit
  • Förderung von Problemlösefertigkeiten
  • Förderung der Stressbewältigung
  • Selbstwertgefühl stärken
  • Aufmerksamkeit gegenüber psychischen Problemen schenken

Sekundärprävention = Verhinderung von Suizidversuchen und Suiziden von Personen mit vorausgehenden Suizidintentionen und suizidalem Verhalten oder in Risikosituationen

  • Identifikation der suizidgefährdeten Personen
  • Suizid-Präventions-Zentren
  • Samaritans

Tertiäre Prävention = Das Personal auf den Fall eines Suizids vorbereiten, um darauffolgende Suizide zu verhindern.

 

-> einen klaren Ablauf festlegen bei einem Suizid in der Schule/Firma (z.B. wie ist der Umgang mit den nächstbetroffenen,…).

Therapie/Behandlung

Bei Suizidgedanken oder einem misslungenem Suizidversuch gibt es zwei Möglichkeiten der Behandlung:

  • Therapie
  • Krisenintervention

Therapie:

  • Herstellung einer hilfreichen Beziehung
  • Medikamente
  • Psychotherapeutische/psychiatrische Behandlung

Krisenintervention:

 

Bei einer Krisenintervention ist das Wichtigste eine gute Beziehung zwischen Fachperson und suizidaler Person. Die Krisenintervention muss in einem kurzen Zeitraum nach dem Suizidversuch geschehen. Während der Intervention wird vor allem die Klärung von Problemen, der Schutz, die medizinische Fürsorge sowie Diagnose und Therapie einer zugrunde liegenden psychischen Störung angestrebt.

 

Es gibt zwei Einrichtungen, in denen akut suizidgefährdete Personen oder Personen mit einem Suizidversuch untergebracht werden können. Dies sind:

  • Allgemeinkrankenhäuser
  • Kriseninterventionsstationen in Allgemeinkrankenhäusern und psychiatrische Kliniken