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Epidemiologie (Angaben zur Häufigkeit von Suizid)  

Hast du, oder jemand in deinem Umfeld suizidale Gedanken, dann bist du nicht alleine: Bei den schweizer Jugendlichen ist Suizid die häufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen. Bei den 15-24 jährigen ist jeder fünfte Todesfall ein Suizid. 80% der Suizidversuche werden von Frauen verübt; Die Suizidrate mit tödlichem Ausgang ist beim männlichen Geschlecht jedoch 2 mal so hoch. Junge Frauen überleben den Selbsttötungsversuch viel häufiger, weil sie weniger radikale und damit weniger „todsichere“ Methoden anwenden als Jungen.

Gemeinsam ist den Menschen, die einen Suizid beabsichtigen oder durchführen, dass sie sich praktisch immer in einer Situation befinden, die von Gefühlen der Ohnmacht, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet ist. Suizid scheint für sie der einzige Ausweg aus dieser Situation zu sein.

Jugendliche in der Schweiz und Deutschland (im europäischen Vergleich) 

Eine im Juni 2008 veröffentliche Studie vergleicht Suizidraten und –methoden von 15-24 Jährigen in 15 europäischen Ländern. Die durchschnittliche Suizidrate lag bei den Männern bei 11 pro 100‘000 und bei 3 pro 100‘000 bei den Frauen. Die Schweiz lag mit 18.1 sowie 5.2 bei beiden Geschlechtern deutlich über dem Durchschnitt. Deutschland lag im Gegensatz dazu mit 11.4 und 2.9 im Schnitt. Die höchsten Werte zeigten junge estländische (30.2), finnische (28.3) und irländische (27.6) Männer, sowie finnische (8.5), schottische (7.1) und slowenische (6.9) Frauen.

Im Schnitt waren die Raten bei den Männern 3.7 mal höher als bei den Frauen, in der Schweiz 3.5 mal und in Deutschland 4 mal. Wie in den meisten anderen europäischen Länder zeigte sich ein leichter Rückgang in den letzten Jahren bei den Männern sowie relativ stabile Zahlen bei den Frauen. 

Schweizer Bevölkerung allgemein

Gemäss Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO starben im Jahr 2000 weltweit ca. 815'000 Menschen durch Suizid. Dies entspricht einer Suizidrate von 14.5 pro 100'000 Menschen – oder einem Suizid alle 40 Sekunden [WHO 2002]. 

In der Schweiz wird bei 1 bis 2% aller Todesfälle Suizid als Todesursache angegeben. 10% aller Schweizer begehen im Laufe ihres Lebens einen oder mehrere Suizidversuche und jede zweite Person berichtet über Suizidgedanken. In Zahlen heisst das: jährlich sterben in der Schweiz zwischen 1'300 und 1'400 Menschen durch Suizid (ca. 1'000 Männer und 400 Frauen). Dies entspricht knapp vier suizidbedingten Todesfällen pro Tag oder einer Suizidrate von 19.1 pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit weist die Schweiz im internationalen Vergleich eine überdurchschnittlich hohe Suizidrate auf. Nach dem Rückgang der tödlichen Unfälle im Strassenverkehr und der Abnahme der durch Aids bedingten Todesfälle ist Suizid bei den 15 bis 44jährigen Männern heutzutage die häufigste Todesursache. Schätzungen zufolge begehen in der Schweiz 15'000 bis 25'000 Menschen jedes Jahr einen Suizidversuch, wobei nur ungefähr 10'000 dieser Suizidversuche (ca. 4'000 Männer und 6'000 Frauen) erfasst und medizinisch behandelt werden. 

Die Qualität der statistischen Angaben zur Suizidhäufigkeit hat immer wieder zu Diskussionen Anlass gegeben, da nichtausgeschlossen werden kann, dass Suizide in den Todesfallregistern nicht korrekt erfasst werden. Als mögliche Quelle der Fehlklassifikation von Suiziden gilt neben Unfällen die Rubrik «gewaltsamer Tod mit unklarer Ursache» (d.h. unklar, ob Unfall oder Suizid).

Internationaler Vergleich

Im internationalen Vergleich zeigt es sich, dass die Schweiz zu den Ländern mit hohen Suizidraten gehört. Österreich liegt ebenfalls in einem Überdurchschnittlichen Bereich, während die Werte von Deutschland bereits deutlich tiefer liegen  

 

Vergleich nach Altersgruppen

Rein zahlenmässig betreffen die meisten Suizide solche Altersgruppen, die zum jungen und mittleren Erwachsenenalter zählen. Auf Raten umgerechnet (Anzahl Suizide pro 100'000 Einwohner) wird jedoch ersichtlich, dass die Suizidraten mit dem Alter mehr oder weniger kontinuierlich ansteigen. Auch dieser Eindruck ist nicht der endgültige. Werden EXIT- und andere Todesfälle nach Freitodbegleitung nicht miteingerechnet, ist der Anstieg im höheren Alter wesentlich weniger deutlich. Etwa 15% aller Suizide gehen auf die Freitodbegleitung zurück.

 

 

Zeitreihen Schweiz

Die Gesamtansicht der Entwicklung zeigt zunächst, dass die Suizidraten in der Schweiz traditionell hoch sind. Es handelt sich nicht um ein neues Phänomen. Blickt man ins 19. Jahrhundert zurück, so findet man hohe Raten insbesondere bei Männern und zwar vor allem in reformierten Kantonen. Als mögliche Erklärungsansätze kommen in Frage: Imitation, Einstellungen zu psychischen Problemen, Einstellung zu Problembewältigungsmöglichkeiten, sozialer Support. Katholische Kantone sowie Frauen weisen hingegen leicht ansteigende Trends auf. Das Geschlechtsverhältnis hat sich von 6:1 auf 2:1 verringert.