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Schizophrenie  

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Möchten Sie mehr über die Krankheit Schizophrenie erfahren?

 
 

Auf dieser Seite bieten wir Ihnen Informationen zu Ursachen, Symptomen, Therapiemöglichkeiten sowie weitere Hintergründe dazu.

 

 

Was ist Schizophrenie?

Eugen Bleuler bildete den Begriff Schizophrenie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Wortteil "Schizo" stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "ich spalte". Auch "phren" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "der Geist". Bleuler wollte mit dem Begriff Schizophrenie ausdrücken, dass bei Erkrankten Denken, Fühlen und Wollen auseinanderfallen.

Im medizinischen Kontext wird Schizophrenie für eine ganze Gruppe von Erkrankungen verwendet, welche zu den endogenen Psychosen gehören. Endogen bedeutet, dass die Ursachen für die Psychose nur bedingt erklärbar sind. "Psychosen" ist ein Sammelbegriff für psychische Störungen, welche mit Realitästverlust, Wahnvorstellungen, Bewusstseinstörungen und Störungen des Denkens und Fühlens einhergehen.

Da unter dem Begriff Schizophrenie mehrere Erkrankungsbilder zusammengefasst sind, spricht man oft auch von "Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis".

Heute wird der Begriff Schizophrenie nicht nur im medizinischen Bereich verwendet. Medien verwenden diesen Begriff immer öfter für alles schwer Verständliche, Widersprüchliche und schlecht Nachvollziehbare.

"Patienten sind Menschen. Die Krankheit ist Teil ihrer Biografie. Aber sie sind nicht nur Kranke. Sie haben ein Leben jenseits der krankheit - davor, danach, daneben." (Prof. Dr. Asmus Finzen, Basel)

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Ursachen

Die eigentliche Ursache der Schizophrenie ist bis heute nicht bekannt. Man geht aber davon aus, dass die Ursache multifaktoriell ist, das heisst durch mehrere Ursachen bedingt. Die meisten neueren Studien bringen Schizophrenie mit Gehirnabnormitäten und einer genetischen Disposition in Verbindung. Es ist anzunehmen, dass genetisch-biologische und soziale Faktoren zusammenwirken.

Gehirnabnormitäten

Dopaminhypothese

Patienten mit einer Schizophrenie haben einen Überschuss an Dopamin-Rezeptoren. Dopamin ist ein Neurotransmitter, das heisst eine chemische Substanz, die von einer Nervenzelle ausgeschüttet wird und an einer anderen Nervenzelle erregende oder hemmende Effekte auslösen kann.

Forscher vermuten, dass durch diese hohe Anzahl von Dopaminrezeptoren die Gehirnsignale intensiviert werden und positive Symptome wie Halluzinationen und Paranoia erzeugt werden. Für die Dopaminhypothese sprechen zwei Befunde: 1) die zur Behandlung der Schizophrenie eingesetzten Neuroleptika sind grösstenteils Dopaminantagonisten. 2) Durch Dopaminagonisten können schizophrenieähnliche Symptome hervorgerufen werden. Ein Antagonist ist ein Wirkstoff, der die Wirkung eines bestimmten Neurotransmitters hemmt oder eine gegensätzliche Wirkung auslöst. Ein Agonist ist ein Wirkstoff, der die gleiche Wirkung auslöst wie ein bestimmter Neurotransmitter.

Neuroanatomische Befunde

Bei einigen Schizophrenie-Patienten ist die Aktivität in den Frontallappen ausserordentlich gering. Vor allem Patienten mit Negativsymptomatik weisen eine verminderte Aktivität im präfrontalen Kortex auf. Der Frontallappen ist ein Teil des Gehirns der sich im Stirnbereich befindet.

Schizophrenie-Patienten haben vergrösserte Seitenventrikel sowie eine Erweiterung des 3. Ventrikels. Ausserdem weisen sie eine Schrumpfung des Gehirngewebes auf. Zudem haben sie einen verkleinerten Thalamus, was vermutlich dazu führt, dass sie Probleme haben, den sensorischen Input zu filtern und ihre Aufmerksamkeit auf wichtige Dinge zu lenken. Sie haben eine verminderte Nervenzellanzahl oder pathologische Zellanordnungen im Frontallappen, der für kognitive Prozesse wichtig ist, sowie im Temporallappen inkl. in den limbischen Strukturen und im Gyrus cinguli, die wichtig für den Antrieb und die Affektivität sind. Eine Störung in diesen Strukturen führt zur Negativsymptomatik. Vermutlich sind diese Gehirnabnormitäten auf pränatale Probleme zurückzuführen.

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell (Diathese-Stress-Modell)

 Man geht davon aus, dass angeborene und umweltbedingte Faktoren zusammenwirken müssen, damit es zu einer Schizophrenie kommt. Die Erbanlage alleine oder Umweltfaktoren alleine lösen in der Regel keine Schizophrenie aus.

Genetische Faktoren

Die Schizophrenie hat eine genetische Grundlage, wobei mehrere Gene daran beteiligt sind. Es könnte auch sein, dass es ein Schizophreniegen gibt, das die Vulnerabilität (=Verletzlichkeit) für die Entwicklung der schizophrenen Erkrankung erhöht. Ausgelöst wird die Krankheit aber letztendlich durch andere Faktoren. Wenn im Lebensumfeld einer vulnerablen Person bestimmte Risikofaktoren nicht auftreten oder protektive Faktoren vorhanden sind, kann es sein, dass trotz dem Vorhandensein des Schizophreniegens die Krankheit nicht ausbricht.

Perinatale Probleme

Als Perinatalperiode wird der Zeitraum zwischen der 28. Schwangerschaftswoche und dem 7. Lebenstag nach der Geburt bezeichnet. Perinatale Hirnschädigungen sind ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Schizophrenie. 

Menschen, die im Winter oder im Frühling geboren werden, haben ein erhöhtes Risiko an einer Schizophrenie zu erkranken. Daran könnte eine Viruserkrankung der Mutter während einer kritischen Phase beteiligt sein. Der kritische Zeitpunkt für die erhöhte Empfänglichkeit liegt wohl im zweiten Trimester der Schwangerschaft. Ein weiterer Faktor ist der Breitengradeffekt, der besagt, dass für Menschen, die weit entfernt vom Äquator geboren werden, die Vulnerabilität für Schizophrenie erhöht ist. 

Auch Mangelernährung der Schwangeren sowie Rhesusunverträglichkeit können die Wahrscheinlichkeit einer Schizophrenie erhöhen. Wenn eine Rh-negative Frau mit einem Rh-positiven Fötus schwanger ist, bildet ihr Immunsystem gegen dieses Protein Antikörper. Das erste Rh-positive Kind hat kein erhöhtes Schizophrenierisiko, ein zweites Rh-positives Kind dann schon. Ferner sind auch ein geringes Geburtsgewicht und Geburtskomplikationen wie beispielsweise Sauerstoffmangel Risikofaktoren für eine Schizophrenie. 

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Symptome & Verlauf

Schizophrenie ist eine sehr vielfältige Krankheit. Die eindeutige Diagnose wird durch die Vielfalt und die unterschiedlichen Ausprägungsgrade der Symptome erschwert. Zudem überschneiden sich die Symptome der Schizophrenie oft mit den Symptomen anderer psychischer Krankheiten.

Die Symptome der Schizophrenie können leicht oder schwer ausgeprägt sein. Sie treten auch nicht alle zur gleichen Zeit auf. So können, wie gesagt, verschiedene Formen unterschieden werden:

  • Die paranoid-halluzinatorische Schizophrenie,
  • die katatonische Schizophrenie,
  • die hebephrene Schizophrenie,
  • die residuale Schizophrenie und
  • die Schizophrenia simplex.

Die paranoid-hallzinatorische Schizophrenie ist die am häufigsten auftretende Form. Es stehen vor allem Halluzinationen und/oder Wahn im Vordergrund. Am charakteristischsten bezüglich des Wahns sind Kontrollwahn, Beeinflussungswahn oder das Gefühl des Gemachten, sowie verschiedenste Verfolgungsgedanken.

Bei der katatonen Schizophrenie stehen als wesentliche Merkmale psychomotorische Störungen im Vordergrund. Diese können Erregung im einen Extrem oder Erstarren im anderen beinhalten und werden als Katatonie bezeichnet.

Bei der hebephrenen Schizophrenie kommen vor allem affektive Veränderungen vor. Die Stimmung ist flach und unpassend, oft begleitet von Kichern oder selbstzufriedenem, selbstversunkenem Lächeln, von Grimassieren, Manierismen, Faxen und immer wiederholten Äusserungen. Das Verhalten der betroffenen Person scheint  ziellos und ohne Empfindung. Zudem ist das Denken ungeordnet und Antrieb und Zielstrebigkeit gehen verloren.

Mit residualer Schizophrenie wird ein chronisches Stadium im Verlauf einer schizophrenen Erkrankung bezeichnet. Hier sind auffallend Negativsymptome vorhanden wie Antriebsmangel, sozialer Rückzug und Passivität.

Die Schizophrenia simplex ist ein seltens Zustandsbild, welches schleichend kommt. Es zeichnet sich durch merkwürdiges Verhalten, der Unmöglichkeit, soziale Anforderungen zu erfüllen und der Verschlechterung der allgemeinen Leistungsfähigkeit aus. Diese Negativsymptome zeigen sich aber wie gesagt erst allmählich. Bei dieser Form kommen ferner keine Wahnvorstellungen oder Halluzinationen vor. Sie zeigt sich weniger offensichtlich als die anderen Schizophrenieformen und ist nur sehr schwer sicher zu diagnostizieren.

Man kann allgemein zwischen Positiv- und Negativsymptome unterscheiden. Die Negativsymptome sind meist schon vor den Positivsymptomen bemerkbar. Zu den Negativsymptomen gehören Konzentrationsschwäche, Nervosität, Schlafstörungen, Antriebsverlust und Willensschwäche. Oft ziehen sich die Erkrankten von ihren Freunden und ihrer Familie zurück. Sie leiden unter Gewichtsverlust, Spracharmut und mangelnder Körperhygiene. Menschen  die an Schizophrenie erkrankt sind, sind allgemein empfindsamer und verletzlicher. Die Negativsymptome lassen sich nur schwer medikamentös behandeln, wodurch die Patienten vor allem unter diesen schwer zu leiden haben.

Die Positivsymptome treten meist nur in akuten Phasen auf. Als Positivsymptome gelten Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Bewegungsstörungen. Halluzinationen sind meist akustisch. Darunter wird das Stimmenhören verstanden. Es können aber auch optische Halluzinationen auftreten, diese sind jedoch weitaus seltener. Betroffene, die an Wahnvorstellungen leiden, fühlen sich oft von jemandem verfolgt oder denken, dass etwas Schlimmes mit ihnen passieren wird. Die Patienten haben oft Schwierigkeiten damit, Reales von Irrealem zu unterscheiden.

„Für mich gab es auf einmal keinen Zweifel mehr. Dass die mich nicht zum Zahnarzt gehen lassen wollten, damit ich meinen Zahn mit dem eingebauten Sender ziehen lassen konnte, liess meinen früheren Verdacht zur Gewissheit werden! Die Ärzte steckten also mit dem Geheimdienst unter einer Decke! Und der Zahnarzt, der auf Station kam, und mich beruhigen wollte, dass der Zahn ganz in Ordnung sei und nicht gezogen werden müsste, war gar kein Zahnarzt. Das war ein eingeschleuster Agent. Mir war plötzlich klar, dass ich in einer Falle hockte… Heute kann ich es kaum fassen, dass mir meine Sinne einen derartigen Streich gespielt haben.“

Bei Bewegungsstörungen sind die Bewegungen eines Betroffenen verlangsamt oder werden über längere Zeit wiederholt, beispielsweise hin und her laufen oder in die Hände klatschen. In extremen Fällen kann es auch vorkommen, dass ein an Schizophrenie Erkrankter eine eigenartige Körperhaltung einnimmt und über längere Zeit so verharrt. Dieses Krankheitsbild nennt man Katalepsie. Falls zu diesem Zustand auch noch starkes Fieber hinzu kommt, kann dies sogar lebensbedrohlich sein.

Bei einer Schizophrenie können auch Störungen des Denkens und der Sprache vorkommen. Die Gedanken der Betroffenen erscheinen zusammenhangslos und zerfahren. Es kann auch vorkommen, dass Betroffene das Gefühl haben, jemand könne ihre Gedanken lesen oder kontrollieren.

Das zerfahrene Denken wirkt sich auch auf die Sprache aus. So kann es sein, dass der Betroffene mitten im Satz von etwas Anderem zu reden beginnt oder Wörter durcheinandermischt.

Auch das Gefühlsleben eines Betroffenen hat unter seiner Erkrankung zu leiden. So kann es zu straken Stimmungsschwankungen kommen. Die Stimmungslage des Betroffenen stimmt nicht immer mit dem Situationskontext überein. So lacht der Betroffene beispielsweise, wenn er etwas Trauriges hört. Betroffene leiden auch unter depressiven Verstimmungen und Angst. Die Gefühlslage eines Betroffenen wirkt oft auch gleichgültig und freudlos.

All das kann dazu führen, dass sich der Betroffene in seine eigene Welt zurückzieht und so den Bezug zur Wirklichkeit verliert.

Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass Schizophrene eine gespaltene Persönlichkeit aufweisen, wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Doch die Krankheit Schizophrenie ist von einer dissoziativen Identitätsstörung abzugrenzen.

Etwa 1% der Bevölkerung erkrankt an Schizophrenie. Die Geschlechterverteilung ist ausgeglichen, wobei Männer (mit 20-25 Jahren) durchschnittlich fünf Jahre früher erkranken als Frauen (mit 25-30 Jahren). Die Krankheit Schizophrenie beginnt in ungefähr drei Vierteln der Fälle mit einem Wochen bis Jahre andauernden Vorstadium. Kennzeichnend dafür sind depressive Verstimmungen und sozialer Rückzug. Der Betroffene erscheint ungewöhnlich empfindsam und interessenlos. Es kann aber auch zu akutem Ausbruch der Krankheit kommen. Die akute Phase einer Schizophrenie zeigt sich meist in Schüben. In der Akutphase treten vermehrt die oben beschriebenen Positivsymptome auf. Nach einer akuten Phase tritt meistens eine gewisse Entspannung ein. Die Angst nimmt ab und der Betroffene kann mit seinen Symptomen gut umgehen. So kann es sein, dass der Erkrankte beginnt, seinen "Stimmen" interessiert zuzuhören, oder dass ihn seine Wahnvorstellungen nicht mehr interessieren. Zwei Drittel der Betroffenen müssen nach dem Abklingen einer Phase wieder mit einem neuen Schub rechnen. Dies kann Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern. Die weiteren Phasen können auf eine andere Art und Weise verlaufen. Die Krankheit kann sich chronifizieren, wobei der Patient jahrelang unter den Symptomen zu leiden hat. Fast ein Drittel der Patienten geht geheilt aus einer Psychose heraus. Durch neuere Behandlungsmöglichkeiten kann dem Langzeitverlauf einer Schizophrenie günstig entgegengewirkt werden.

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Therapiemöglichkeiten

Die Schizophrenie-Therapie besteht aus 3 Säulen:

 

Medikamente

Als Voraussetzung für eine psychotherapeutische Behandlung dient eine Therapie mit einem Psychopharmaka, Neuroleptika genannt. Es hemmt die Wirkung des Hirnbotenstoffs Dopamin und vermindert so die Erregung und Aggressivität. Die Dosierung und Therapiedauer ist individuell und hängt auch vom Stadium der Krankheit ab, in dem sich die betroffene Person befindet.  

Das Neuroleptika ist zwar sehr wirkungsvoll und kann die Schizophrenie- Symptomatik deutlich verbessern, doch bringt es auch einige unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. Die Einnahme von Neuroleptika kann vor allem zu Bewegungsstörungen führen. Diese entstehen aufgrund einer Blockade von Dopaminrezeptoren in einem Bereich des Gehirns, der eigentlich vom Medikament nicht erreicht werden soll, aber leider auch betroffen wird. Als weiter Nebenwirkungen können auch Gewichtszunahme, Müdigkeit, Mundtrockenheit, Herzrasen oder niedriger Blutdruck auftreten.

Es gibt inzwischen neben den klassischen Neuroleptika, welche vor allem in der Akutphase eingesetzt werden, nun auch atypische, sogenannte Atypika. Diese lösen meist gar keine oder nur geringe Bewegungsstörungen aus.

Es ist unumgänglich, die Therapie mit Unterstützung eines Arztes bzw. einer Ärztin anzugehen. Dabei sollte man auf keinen Fall das Medikament etwa aufgrund unerwünschter Wirkungen von sich aus absetzen oder die Dosierung ändern, ohne mit dem Arzt bzw. der Ärztin vorher Rücksprache zu nehmen. In gegebenem Falle gibt es verschiedene Möglichkeiten mit Nebenwirkungen umzugehen wie z.B. eine Ergänzung oder ein Wechsel der Medikamente durch den Arzt bzw. die Ärztin.

"Die Medikamente schienen mir die Ursache für meine Wahnvorstellungen zu sein - dies glaubte ich viele Jahre lang. "


Psychotherapie

Eine stützende, psychodynamisch oder verhaltensorientierte Psychotherapie bildet die 2. Säule der Behandlung. Im Zentrum steht das "verstehende, einfühlende" Gespräch.

Ziel in der Akutphase ist es, eine stabile, tragfähige und vertrauensvolle Beziehung zwischen dem Therapeut bzw. der Therapeutin und dem Klient bzw. der Klientin aufzubauen, was die Grundlage für jede weitere spezifische Therapie darstellt. Zudem geht es um die Vermittlung von Mut und Hoffnung, sowie eines für den Patienten bzw. die Patientin verständliches und akzeptables Krankheitsmodell. Die Angehörigen werden dabei, soweit die betroffene Person es gestattet, in die Behandlung miteinbezogen und über die Erkrankung informiert (siehe auch Kapitel "Unterstützung für Angehörige").

Im weiteren Behandlungsverlauf sind das individuell angepasste Verhältnis von verständnisvollem Klima und Tagesstrukturierung verbunden mit einem Training der sozialen Kompetenzen zentral. Die betroffene Person soll dabei weder unter- noch überfordert werden.  Wichtig ist auch, mit dem Patienten bzw. der Patientin individuelle Stressoren und Frühwarnzeichen zu ermitteln und gemäss eines Krisenplans Notfallmassnahmen zu bestimmen. Dies ist ein relevanter Schritt für die spätere Wiedereingliederung.


Soziotherapie / Rehabilitation

Schlussendlich wird auf das Ziel hingearbeitet, dass der Patient bzw. die Patientin im jeweils individuell möglichen Masse wieder unabhängig und selbstständig leben kann. Dafür  werden soziale Kompetenzen gefördert und Defiziten vorgebeugt. Auf dem "Weg der kleinen Schritte" zurück in die berufliche und soziale Wiedereingliederung gibt es viele verschiedene Angebote wie Arbeits- und Beschäftigungstherapie,  berufliche Rehabilitation,  teilstationäre Klinikaufenthalte als Übergangslösung, aber auch längerfristige Rehabilitationsbereiche wie geschützte Arbeitsplätze, Rehabilitationsgruppen oder Wohnheime.

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Beispiel anhand eines Videos

Zur Veranschaulichung haben wir unterhalb ein Video eingefügt. Es handelt sich dabei um einen ca. 10-minütigen Ausschnitt aus dem 2001 erschienenen Film "A Beautiful Mind". Dieser ist vom Leben des Mathematikers John Forbes Nash (1928 geboren) inspiriert, welcher in jungen Jahren eine erstaunliche Entdeckung machte und auf der Schwelle internationalen Erfolgs stand. Sein Aufstieg wurde jedoch durch seine Schizophrenie gestoppt. Später lernte er mit seiner psychischen Störung zu leben und erhielt 1994 den Nobelpreis für Wirtschaft.

Im folgenden Filmausschnitt kommt in verschiedenen Szenen zum Ausdruck, was die Schizophrenie für John Forbes Nash (gespielt von Russell Crowe) in seinem Alltag bedeutet. Es sei hier angemerkt, dass sich zwar viele interessante Informationen zur Schizophrenie finden lassen, jedoch nicht vergessen werden darf, dass es sich nicht um eine wirklichkeitsgetreute Widergabe des Lebens von J. F. Nash, sondern um einen Hollywood-Film handelt.

Lokalisation des Ausschnitts: J. F. Nash stand auf der Schwelle internationalen Erfolgs, als bei ihm paranoide Schizophrenie diagnostiziert und er zur Behandlung in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Nach einiger Zeit erhielt er Einsicht in seine psychische Störung und versuchte schliesslich mithilfe von Medikamenten und der Unterstützung seiner Frau den Weg zurück in den Alltag zu finden. In der ersten Szene geht Nash erstmals nach langer Zeit zurück an die Universität, um dort alleine für sich arbeiten zu können; dies als Möglichkeit der Wiedereingliederung und der besseren Strukturierung seines Alltags.

Szene 1: Mitten im Gespräch erscheint Charles an der Tür und mischt sich lauthals ins Gespräch ein. Charles war Nashs bester Freund bis er erfuhr, dass dieser auch Teil der Schizophrenie und folglich nur eine Halluzination ist. Durch Nashs Reaktion wird ersichtlich, dass er sich zwar seiner Halluzination bewusst ist, sie ihn aber trotzdem in seinem Handeln beeinflusst.

Szene 2: Nash trifft mit seinem früheren geheimen Auftraggeber zusammen. Er weiss, dass auch dieser nur eine Halluzination ist und wiederholt deshalb mehrmals die Worte "I'm not a soldier. You are not real. There's no mission." Doch die Halluzination irritiert ihn durch ihre Beleidigungen und Abwertungen dermassen, dass er auf dem Hof eine ganze Menschenmenge anzieht, die ihn als völlig durchgedrehten Verrückten betrachten.

Szene 3: Zu Hause bei seiner Frau erzählt Nash von diesem Vorfall. Auf dem Heimweg sei sein alter Freund Charles bei ihm gewesen. Er hätte gerne mit ihm darüber gesprochen, durfte aber nicht, da Charles auch eine seiner Halluzinationen ist. Es wird nachvollziehbar, wie schwer es ist, wenn man plötzlich erfährt, dass z.B. Dinge, die einem wichtig sind, in Wirklichkeit gar nicht existieren.

Szene 4: In einem weiteren Schritt auf dem Weg, mit seiner Schizophrenie leben zu lernen, verabschiedet sich Nash von Charles und dessen Nichte (welche auch nur eine Halluzination ist) und entscheidet sich folglich, sie ab jetzt vollkommen zu ignorieren.

Restliche Szenen: Es wird wiederum ersichtlich, wie schwer es Nash fällt, die Halluzinationen vollkommen zu ignorieren. Sie beschimpfen und beleidigen ihn und scheinen ihm überall hin zu folgen. In einer weiteren Szene machen sich andere Studenten auf dem Hof über seinen komisch anmutenden Gang lustig. Wie im Kapitel über die Therapiemöglichkeiten erwähnt, können Neuroleptika zu Bewegungsstörungen führen. Sein hinkender Gang und die leicht nach vorne gebeugte Körperhaltung sind Beispiele dafür.

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Unterstützung für Angehörige

"Mein ältester Sohn P. erkrankte mit 23 Jahren an Schizophrenie. Ich wollte und konnte anfangs nicht glauben, dass es sich wirklich um eine Krankheit handelt. Die Psychiaterin teilte uns mit, dass mein Sohn schwer krank sei. Ich fühlte mich sofort schuldig und fragte mich, was ich als Mutter falsch gemacht habe. Die Ärztin wies mir keine Schuld zu, wofür ich ihr heute noch sehr dankbar bin. Es war aber ein Versäumnis von ihr, uns nicht darauf hinzuweisen, dass eine psychische Erkrankung große Schwierigkeiten in der Familie mit sich bringen kann und dass auch wir Angehörige Hilfe brauchen."

Nicht nur die an Schizophrenie Erkrankten leiden schwer unter ihrer Krankheit. Auch für die Angehörigen  ändert sich so Einiges. Sie begleiten die Erkrankten in schwierigen Situationen und übernehmen Aufgaben des an Schizophrenie Erkrankten, wenn er dazu selbst nicht mehr in der Lage ist. Es können sich starke Belastungen in der Familie bilden, welche sich negativ auf die Bewältigung der Erkrankung auswirken.

"Ich weiss nicht, wie sie dass mit mir ausgehalten hat. Jede andere Frau hätte sich von mir getrennt. Heute hätte ich das sogar verstanden. Diese Zeit war im Grunde genommen eine halbe Katastrophe. Ich habe gemerkt, da stimmt was nicht, wusste aber nicht was es war. Und konnte mich nicht befreien. Ich war nicht ich selber. Ich war ein anderer Mensch in meinem Körper, den ich nicht kannte."

Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass man die Angehörigen in die Therapie miteinbezieht. Neben familientherapeutischen Interventionen ist auch eine gute Aufklärung der Angehörigen über die Krankheit von grosser Bedeutung. Den Angehörigen sollte vermittelt werden, wie sie den Erkrankten unterstützen können.

Angehörige müssen keinesfalls hilflos bei der Erkrankung eines Familienmitgliedes zusehen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie auch sie positiv auf den Verlauf der Erkrankung einwirken können. So sind beispielsweise Verständnis, emotionale Wärme, positive Bemerkungen, Sorge und Interesse am anderen zeigen hilfreiche Verhaltensweisen. Sie können den Erkrankten bei der Behandlung unterstützen und in belastenden Situationen bewusst entlasten. Zudem können sie ihn auch zum selbstständigen Handeln ermutigen und ihn in familiäre Aktivitäten miteinbeziehen. Durch Loben von Selbstständigkeit und dem Herstellen einer klaren Tagesstruktur helfen sie bei der Erhaltung der Fähigkeiten des Erkrankten.

Es gibt also eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Angehörige bei der Krankheitsbewältigung miteinbezogen werden können. Die Bewältigung der Krankheit ist aber nicht nur für den Erkrankten selbst, sondern auch für die Angehörigen ein schwieriger Prozess. Um damit nicht alleine fertig werden zu müssen, können sich Angehörige in Selbsthilfegruppen gegenseitig unterstützen und von den Erfahrungen anderer profitieren.

Vereinigung der Angehörigen von Schizophreniekranken (VASK); Langstr. 149; 8004 Zürich; Tel./Fax: 01-240 38 77; http://www.vask.ch

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Links & Buchtipps

  • "Morgen bin ich ein Löwe-Wie ich die Schizophrenie besiegte"; Arnhild Lauveng (Bericht einer Betroffenen; hat später Psychologie studiert; arbeitet heute in der klinischen Psychologie)

 

 

"Schizophrenie-Die Krankheit verstehen"; Asmus Finzen

 

 

  • "Schizophrenie-Ursachen, Verlauf, Therapie, Hilfe für Betroffene"; Silvano Arieti
     

 

  • "Schizophrenien"; D. Hell & D. Schüpbach (Ratgeber für Patienten & Angehörige)

 

Links:

 

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Quellen

Bild: http://clicland.blogspot.com/2007/02/schizophrnie.html

Video: http://www.youtube.com/watch?v=IzLJJECvfvI  

http://www.cosmopolis.ch/cosmo41/a_beautiful_mind.htm

http://de.mimi.hu/schwangerschaft/perinatal.html

http://www.gesundheitsprechstunde.ch/index.cfm?rub=689

http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de/rdkns/index.htm

http://www.psychiatrie-aktuell.de/bgdisplay.jhtml?itemname=schizophrenia_support

http://www.psychiatriegespraech.de/psychische_krankheiten/schizophrenie/schizophrenie_ueberblick.php

http://www.psychiatriegespraech.de/psychische_krankheiten/schizophrenie/schizophrenie_aetiologie.php

http://www.psychoprobleme.de/lexikon-psychische-krankheiten/schizophrenie.htm

http://www.schizophrenie.or.at/was-ist-schizophrenie/erfahrungsberichte

Carlson, N.R. (2004). Physiologische Psychologie (8. aktualisierte Auflage). München: Pearson Studium.

Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M. H. (Hrsg.). (2000). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. Bern: Huber.

Finzen, A. (2001). Schizophrenie, Die Krankheit verstehen. Bonn: Psychiatrie-Verlag

Hahlweg, K., & Dose, M. (1998). Schizophrenie. Fortschritte der Psychotherapie. Göttingen: Hogrefe.

Myers, D.G. (2005). Psychologie. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

Schandry, R. (2006). Biologische Psychologie (2. überarbeitete Auflage). Weinheim: Beltz Verlag.

Verfasserinnen

Myriam Nösberger, Susanne Röthlisberger, Angela Teuscher

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Buchtipps

"Morgen bin ich ein Löwe-Wie ich die Schizophrenie besiegte"; Arnhild Lauveng (Bericht einer Betroffenen; hat später Psychologie studiert; arbeitet heute in der klinischen Psychologie)

 

"Schizophrenie-Die Krankheit verstehen"; Asmus Finzen

 

"Schizophrenie-Ursachen, Verlauf, Therapie, Hilfe für Betroffene"; Silvano Arieti 

 

"Schizophrenien"; D. Hell & D. Schüpbach (Ratgeber für Patienten & Angehörige)