"Kinder sind oft sprunghafter in ihrer Trauer"

Frau Diplomheilpädagogin Anna Hupe arbeitet seit zwei Jahren beim psychologischen Dienst des Tumorzentrums Ludwig-Heilmeyer – CCCF Universitätsklinikum Freiburg. Dort begleitet sie im Rahmen des Projektes „Löwenherz… wenn Eltern Krebs haben“ Kinder und Jugendliche, deren Eltern an Krebs erkrankt oder verstorben sind. Dem von Frau Diplom Psychologin Elke Reinert geleiteten Projekt Löwenherz wurde 2007 der Forschungs- und Entwicklungspreis des Krebsverbandes Baden-Württemberg verliehen und 2008 der Helmut-Wölte-Preis.
Neben der Arbeit für das Projekt Löwenherz bietet Frau Hupe gemeinsam mit einer Kollegin, Frau Walburga Schnock-Störmer, einen eigenen Ausbildungskurs für die Arbeit mit trauernden Kindern an.
In dem Interview spricht sie über die für Erwachsene manchmal schwer nachvollziehbaren Merkmale kindlicher Trauer, die Herausforderungen für Eltern, mit Kindern über den Tod zu sprechen und das Besondere der Arbeit mit trauernden Kindern.
Moritz Pohlmann: Sie arbeiten schon länger mit trauernden Kindern. Wie alt waren Sie, als Sie begannen und wie ist es dazu gekommen?
Dipl. Heilpädagogin Anna Hupe: Ich war um die 20 Jahre alt und hatte mein Studium in Heilpädagogik schon begonnen. Obwohl das heilpädagogische Studium sehr praxisorientiert ist, hatte ich damals den Wunsch, noch mehr Erfahrungen in der Praxis zu machen. Da mein Vater eine Erwachsenenbildungsstätte leitete, die auch Trauerseminare anbot, konnte ich in die Trauerbegleitung reinschnuppern. Zunächst habe ich hospitiert und bin dann immer weiter eingestiegen. Nach einer gewissen Zeit, als ich spürte, dass die Arbeit mich als Person sehr fordert, habe ich noch eine Trauerbegleitungsausbildung gemacht.
Inwiefern forderte Sie die Arbeit?
Ich spürte, dass es ist nicht einfach für mich war, Abstand zu halten. Der Tod ist ein Erlebnis, das jeden von uns irgendwann einmal ereilen wird. Entweder stirbt jemand mir Nahes oder ich selbst werde sterben. Dadurch ist es ein Thema, das als Mensch sehr berührt; mich persönlich vielleicht mehr berührt als wenn ich jemanden begleiten würde, der ein Kriegstrauma erlitten hat, das ich allerhöchster Wahrscheinlichkeit wohl nie haben werde, wo ich wohl auch einfacher Abstand nehmen könnte. Und deswegen war mir wichtig, die Ausbildung zu machen.
Und mittlerweile haben Sie selbst mit einer Kollegin ein Ausbildungsprojekt für die Trauerarbeit speziell mit Kindern entwickelt. Was ist das Besondere an der Trauer von Kindern?
Kindertrauer entwickelt sich tatsächlich anders als die Trauer von Erwachsenen. Oft in der Praxis muss ich Übersetzungshilfe leisten für Eltern: ich muss erklären, warum das Kind jetzt so oder so reagiert, weil Kinder in den Augen der Erwachsenen häufig unangemessen reagieren. Kinder sind oft sprunghafter in ihrer Trauer. Vielmehr als Erwachsene haben sie die Fähigkeit, nur soviel für sich auszuhalten und zuzulassen wie es gerade für sie geht und dann wieder aus der Situation auszusteigen: mit Fantasie, mit etwas anderem. Sie können sich ganz schnell wieder ablenken. Kinder können einen Moment haben, in dem sie heftigst trauern und weinen und fünf Minuten später lachen sie wieder ausgelassen.
Was von Erwachsenen als taktlos empfunden wird...
Genau, die fragen sich dann: warum kann das Kind plötzlich fröhlich sein oder warum spielen sie gerade oder lachen auf der Beerdigung der Mutter? Das ist etwas, das Kinder einfach können und ihnen nicht genommen werden sollte, weil es eine wichtige psychohygienische Funktion für sie erfüllt.
Bedenklich wird es dann, wenn Kinder gar keine Trauer zeigen. Dann schaue ich, was da dahinter steht, was die Kinder hindert da hinzugucken, also: was da Angst macht. Bei Kindern ist es so, dass die Trauer ganzheitlicher verarbeitet wird. Kinder verarbeiten alles mit dem ganzen Körper. Wir Erwachsene können dagegen viel mehr über Gespräche Hilfe finden, als Kinder das können.
Wenn Sie mit einem Kind alleine arbeiten: Wie sieht eine typische Sitzung aus?
Wenn ein Kind zu mir kommt, schauen wir zusammen, was aktuell ansteht, in welcher Stimmung das Kind ist, was es an diesem Tag braucht. Davon mache ich abhängig, ob wir an bestimmten Themen weiterarbeiten, oder auf andere, vielleicht entspannendere Themen ausweichen. Es kann dabei auch vorkommen, dass wir einfach über den Liebeskummer eines Kindes sprechen. Und dann gucken wir, ob wir auf der Gesprächsebene bleiben oder - was ich gerne mache – aktiv arbeiten: in die Kunsttherapie gehen oder, wenn das Kind sagt, dass es heute mit Playmobilauto spielen mag – in die spieltherapeutische Richtung gehen. Die Sitzungen sind also sehr bedarfsorientiert.
Bei den ganz jungen Kindern, mit denen Sie arbeiten, wie findet die Kommunikation zwischen denen und Ihnen statt?
Bis zu einem bestimmten Alter wollen Kinder eher wenig Gesprächsangebote. Ihre Kommunikationskanäle liegen auf anderen Ebenen: im Spielen, Gestalten, im körperlichen Ausdruck. Und um mit ihnen zu kommunizieren, muss ich auf diesen Ebenen mit den Kindern arbeiten. Bei ganz Kleinen muss ich erspüren, was sie brauchen. Eine Idee, in welche Richtung es gehen könnte, kann ich manchmal zum Beispiel über die Art, wie ein Kind malt, entwickeln: Malt es übereinander oder malt es eingrenzend? Welches Material braucht es da– welchen Rahmen braucht es? Hier geht sehr viel über intuitives Erspüren.
Ich selbst weiß sehr wenig über Kunsttherapie – was ist ihr Ziel? Welches sind die Wirkmechanismen ?
Das Heilsame liegt in der aktiven Gestaltung: zum einen, etwas auszudrücken, das in mir drin ist und zum anderen etwas in die Hand zu bekommen, über das ich sprechen kann. Bei Trauernden, aber auch bei Kindern, die in einer schwierigen Situation sind, ist es oft ganz schwer, an das, was sie beschäftigt, ran zu kommen. Wenn sie es aber schaffen, es aufs Papier zu bringen, dann haben sie etwas geschaffen, worüber wir sprechen können, was wir in der Hand haben, was eine Gestalt angenommen hat. Das nicht Fassbare, Diffuse ist dann zu etwas Konkretem geworden, etwas, womit wir arbeiten können.
Auch alleine das Erleben, etwas aktiv gestalten zu können, kann sehr hilfreich sein. Beispielsweise kann ein Kind zum belastenden Bild der verstorbenen Mutter etwas dazumalen, das ein wenig den Schrecken nimmt; es kann zum Beispiel die Gesichtszüge verändern, um ein anderes, nicht mehr so schreckensvolles Bild zu schaffen.
Kinder sind oft damit beschäftigt, wo der verstorbene Papa oder die verstorbene Mutter jetzt ist. In der Kunsttherapie kann ein Kind dann mit Bildern aktiv gestalten, wo die Mama ist oder wie der Papa aussieht.
Manchen Kindern, die in einer sehr schweren Situation sind, weil es der Mutter beispielsweise sehr schlecht geht, kann es auch helfen, Gegenwelten zu malen, um sich „wegzubeamen“ oder einfach nur etwas zu erholen. Sie können sich durch das Malen heilsame und sichere Räume schaffen, aus denen sie wieder etwas gestärkt zurück in die Realität kehren können.
Als das Schöne an der Kunsttherapie empfinde ich, dass sie sehr ressourcenorientiert ist. Darauf liegt auch unser Schwerpunkt hier: an den individuellen Ressourcen der Kinder zu arbeiten, ihnen damit zu helfen, mit ihren eigenen Ideen ihren eigenen Weg zu finden. Jeder Weg, den wir einem Kind vorzugeben versuchten, wäre nicht wirksam.
Manchmal ist die Kunsttherapie auch wie Probehandeln. Zum Beispiel kann ich ein Kind, das immer ganz klein malt, ermutigen, größer zu malen, sich mehr Raum zu nehmen oder einmal eine andere Farbe zu benutzen. Dies gibt Kindern die Chance, auch im wirklichen Leben etwas Neues auszuprobieren, weil sie gelernt haben, wie gut das tut.
Diese Art kreativer Umstrukturierung oder das Probehandeln erinnern mich entfernt auch an Techniken, die ich aus Ansätzen der kognitiven Verhaltenstherapie kenne. Ein essentieller Bestandteil in kognitiven Therapien ist das selbstständige Arbeiten der Klienten zwischen den Therapiestunden: Wie ist es bei den Kindern, mit denen Sie arbeiten: Wenden diese die Techniken aus der Kunsttherapiesitzung auch zuhause an?
Viele Kinder werden tatsächlich kreativer durch die Kunsttherapie, sie malen zuhause, werden flexibler, werden in ihrer Wahrnehmung geschult und übernehmen automatisch Teile der Kunsttherapie nach Hause. Bei manchen wird auch der Wunsch geweckt, sich künstlerisch weiter fortzubilden, einen Kurs zu nehmen.
Was geschieht eigentlich mit den Bildern, die die Kinder gemalt haben?
Es gibt Unterschiede. Manche Bilder wollen die Kinder direkt mitnehmen. Andere, von denen die Kinder möchten, dass sie hier aufbewahrt werden, bleiben hier. Meine Kollegin legt Mappen an, um die Entwicklung der Kinder sichtbar zu machen und dem Ganzen eine andere Wertschätzung zu vermitteln. Es kommt auch vor, dass Tonstücke kaputt gehen; ja manchmal gestalten wir auch einen Gegenstand, der die Wut, Angst oder Ohnmacht eines Kindes darstellt und entsorgen ihn dann feierlich.
Gibt es Methoden oder Prinzipien aus der Kunsttherapie, die geeignet wären, auch von Eltern mit ihren Kindern angewendet zu werden?
Was zu der Kunsttherapie noch dazukommt und was es schwer macht, sie zu kopieren, das ist der geschützte Rahmen, in dem sie stattfindet: Der Rahmen, über den das Kind oder der Jugendliche weiß, dass er nur für ihn da ist: die Tür, auf der ein „Bitte nicht stören“- Schild aufgehängt ist. Durch diesen Rahmen entsteht hier eine andere Atmosphäre, als wenn ich zuhause malen würde. Wichtig ist auch das versorgende Element: während die Kinder malen, bin ich sehr aufmerksam. Das Kind braucht sich um das Drumherum nicht zu kümmern, es kann abtauchen in den gestalterischen Prozess.
Was die Kinder aber zuhause machen können, und was ich grundsätzlich empfehlen kann, ist, dass sie auch dort malen oder tonen. Manche Kinder schaffen sich ihr Lieblingsmaterial auch selbst an. Oder was ich schon gemacht habe, ist mit Familien gemeinsam zu malen, so dass alle zusammen ein Bild gestaltet haben. Zum gemeinsamen Kreativsein kann ich nur ermutigen.
Nun verstehen Kinder ja erst ab einem bestimmten Alter – man sagt ab etwa neun oder zehn Jahren -, dass der Tod etwas Unwiderrufliches ist. Ist diese Einsicht nicht Voraussetzung für therapeutische Arbeit? Versuchen Sie, jüngeren Kindern diese Einsicht zu vermitteln?
Erstmal ist es so, dass nicht für alle Kinder bei Löwenherz der Tod Thema ist. Allerdings stimmt es, dass die Verknüpfung Krebs und Tod sehr schnell gegeben ist. Dies ist auch bei kleineren Kindern so, die davon im Kindergarten gehört haben können, wenn beispielsweise die Oma eines anderen Kindes gestorben ist.
Ich würde nicht sagen, dass das kognitive Verständnis von der Endgültigkeit des Todes eine Voraussetzung für therapeutische Arbeit mit trauernden Kindern ist, wobei wir von Löwenherz unser Angebot auch nicht therapeutisch, sondern präventiv / supportiv begleitend verstehen. Das kognitive Verstehen macht sicherlich noch eine andere Angst. Aber auch kleinere Kinder sind verunsichert durch das Thema Tod und leiden unter Ängsten. Sie trauern natürlich sehr unterschiedlich.
Auf welche Ängste stoßen sie?
Verlustängste. Auch die Angst, schuld zu sein, also Schuldgefühle. Wenn die Mutter auf einem guten gesundheitlichen Weg ist, auch die Angst, dass sie einen Rückfall erleidet, also Rezidivangst. Oder die Angst, wen es als nächsten erwischt – oder auch selber erkranken zu können.
Ab wann erleben Kinder Ängste vor dem eigenen Tod?
Also Verlustängste erleben ganz kleine Kinder schon. Ich würde aber nicht von Todesangst sprechen. Wenn der Vater oder die Mutter gestorben ist, dann ist die Angst da, dass jemand anderes noch versterben könnte. Aber dass Kinder die Angst empfinden, selbst zu sterben, habe ich bisher noch nicht erlebt. Die Todesangst entwickelt sich erst, wenn sie sich kognitiv selbst einbeziehen können. Davor empfinden sie eher die Angst, dass es jemanden anderen noch erwischen könnte.
Wenn so eine Angst ausgelöst worden ist, was passiert dann?
Dass noch ein anderer sterben könnte?
Ja, zum Beispiel.
Dann thematisieren wir die Angst, dann schauen wir sie an. Einmal können wir natürlich auf einer kognitiven Ebene überlegen, wie realistisch die Angst ist. Wir können noch einmal genauer darüber sprechen, was der Vater oder die Mutter für eine Art von Krebs von hat. Dann frage ich meistens die Kinder, was sie glauben, woher der Krebs kommt, was sie für ein Konzept haben. Manchmal erfahre ich dann von Kindern, dass sie glauben, dass sie schuld sind. Andere glauben auch, dass die Psyche den Krebs verursacht – sie vertreten also die Psycho-Ätiologie-These, die ja lange schon widerlegt worden ist. Und wenn das der Fall ist, ist es für mich ganz wichtig, dem Kind klarzumachen, dass es den Krebs der Mutter nicht verursachen kann und dass man den Krebs nicht selbst verursachen kann: „Auch wenn Du manchmal anstrengend gewesen bist und auch wenn die Mama wohlmöglich irgendwann mal gesagt hat: ‚Ach, Du machst mich noch krank mit Deinem Geschrei’, selbst dann kannst Du nicht schuld daran sein“. Ich rede also mit dem Kind, aber ich weiß auch, dass es sich hier um Gefühle handelt und Gefühle sind erst einmal etwas, das man nicht alleine durch Reden wegbekommt. Wir beginnen dann auch Gespräche mit den Eltern und erfragen, welche Konzepte der Krebserkrankung sie haben und dass sie den Kindern ganz klar sagen: „Du bist nicht daran schuld“.
Ich stelle es mir schwierig vor, ganz ohne die Eltern mit den Kindern zu arbeiten...
Das geht auch nicht. Es ist wichtig, dass wir immer begleitende Gespräche mit den Eltern führen, so dass die Vertrauensbasis gegeben ist. Auch halte ich es für sinnvoll, wenn die Eltern und die Kinder gemeinsam kommen. Viele Familien schaffen es dadurch auch, eine ganz andere Offenheit zu schaffen. Hier zusammen in die Beratung zu gehen, ist für viele der erste Schritt, ins Gespräch miteinander zu kommen.
Gibt es Grundsätzliches, was Eltern beachten sollten, wenn sie mit ihren Kindern über Krankheit sprechen?
Für ganz wichtig erachte ich, dass, wenn jemand an Krebs erkrankt, die Kinder miteinbezogen werden, dass sie ernst genommen werden, auch in ihren Gefühlen. Bei Kindern läuft vieles anders ab, nicht nur in dem, was Kinder mitteilen, sondern auch, was Kinder aufnehmen. Kinder spüren oft noch viel mehr, wie es dem Gegenüber geht als Erwachsene das spüren. Sie haben da viel feinere Antennen als Erwachsene und von daher ist es ganz wichtig, eine Offenheit mit den Kindern zu haben und nicht zu versuchen, sie zu schonen. Es ist natürlich von vielen Eltern ein verständlicher Wunsch, die Kinder zu schonen und ihnen eine schöne Kindheit ermöglichen zu wollen, wo Krebs kein Thema ist. Sobald der Krebs aber in der Familie ist, werden Eltern das nicht mehr hinbekommen. Und da ist es ein ganz großes Anliegen von uns, alle Familien zu ermutigen, die Krankheit zu thematisieren. Das heißt nicht unbedingt, dass alles in der ganzen Bandbreite besprochen wird, aber dass das, was die Eltern dem Kind mitteilen, der Wahrheit entspricht; dass sie da also nichts beschönigen oder verharmlosen, von dem die Kinder genau merken, dass es nicht harmlos ist.
Kinder haben ein Gespür dafür, wenn etwas ernst ist?
Ja. Kinder merken genau, wenn es der Mama nicht gut geht, wenn sie traurig ist. Und Kinder beobachten wahnsinnig viel.
In Bezug auf die Trauer und die Emotionen der Kinder finde ich wichtig, dass die Eltern immer wieder bei den Kindern nachfragen und auch selber offen mit ihren eigenen Gefühlen umgehen, diesen auch zumuten, sie weinend zu erleben; oder auch zu sagen: „ja, ich habe auch Angst und ich gehe so und so mit ihr um“. Ich finde wichtig,: den Kindern die eigenen Gefühle ein Stück weit vorzuleben um damit den Kindern die Erlaubnis zu vermitteln, auch mit ihren Gefühlen offener umzugehen.
Ist die Befürchtung unrealistisch, dass Kinder, die frühen Elternverlust erlitten haben, sich anders entwickeln als Kinder, die einen solchen Verlust nicht erlitten haben?
Ich denke schon, dass diese Kinder sich anders entwickeln, sie müssen sich anders entwickeln. Ich sage aber nicht, dass das eine negative Entwicklung sein muss. Es ist sicherlich so, dass, wenn der Vater oder die Mutter stirbt, dies für Kinder eines der schlimmsten Verlusterlebnisse ist, welches ein Kind erleben kann. Kinder, die das erleben, müssen früher reifen. Sie werden mit etwas konfrontiert, womit man oft erst im Erwachsenenalter konfrontiert wird. Die kindliche Paradieswelt verliert ihren Glanz. Es kommen andere Farben und Facetten dazu, die zunächst nicht dazupassen. Wenn wir hier Kinder in der Trauerbegleitung haben, ist es unser Anliegen, diesen Kindern wieder zu ermöglichen, neue Farben in ihre Welt zu integrieren, für ihre Trauer einen Platz zu finden, das zu würdigen, was mit der verstorbenen Mutter oder dem verstorbenen Vater war und zu schauen, wie eine Art von Verbindung erhalten bleiben kann. Also klarzumachen, dass der Verlust etwas ist, was unwiderruflich ist, aber gleichzeitig auch deutlich zu machen, dass es etwas Bleibendes gibt.
Ich kenne hierzu keine aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen, aber meine Erfahrung mit trauernden Kindern ist, dass sie eine größere emotionale Bandbreite als andere Kinder haben. Was etwas ganz Schönes ist: in den Stunden mit trauernden Kindern wird ganz viel gelacht – und ich würde einmal behaupten, dass dieses Lachen auch aus einer anderen Tiefe kommt, also dass diese Kinder auch die Momente, die schön sind, anders genießen, anders wahrnehmen können als andere Kinder.
Macht die Arbeit mit trauernden Kindern nicht sehr traurig?
Die Arbeit berührt mich sehr. Ich finde die Geschichten sehr traurig: ich wünsche niemandem, das zu erleben. Aber es hat auch etwas, das mir selbst viel gegeben hat, insofern als ich durch die trauernden Kinder gelernt habe, dass es immer irgendwo weitergeht. Dass selbst dann, wenn so etwas fürchterlich Trauriges passiert, das den Kindern erst einmal den Boden unter den Füßen wegreißt, dass es auch dann immer wieder Wege gibt. Was ich grundsätzlich an der Arbeit mit Kindern bereichernd finde, ist die Vielfalt an Wegen, die diese Kinder haben, und Ideen, die sie entwickeln, um mit dieser Situation umzugehen. Dass sie einen produktiven Weg finden und daraus auch etwas machen. Das fasziniert mich an der Arbeit. Sie scheinen eine Art Urwissen in sich zu tragen, das sie immer wieder traumwandlerisch umsetzen können. Die Arbeit mit trauernden Kindern gibt immer wieder Hoffnung, sie ist sehr sinnstiftend.
Frau Hupe, Ich danke Ihnen herzlich für dieses Gespräch.
Komplementäre Psychotherapie: Einfluss auf das Überleben ?
Was ist das Besondere an einem Arzt-Patientengespräch?
Ratschläge für die Gestaltung eines Arzt-Patientengesprächs
Ein Selbsthilfekurs, um das Rauchen aufzugeben
Wie stellen sich Kinder den Tod vor?
Elternverlust und Kindesentwicklung
Der Mythos der Krebspersönlichkeit
Rezensionen von Büchern über Krebs und Bewältigung
Gespräche über Erfahrungen in der psychoonkologischen Tätigkeit mit Tumorpatienten:
Mit Diplompsychologin Elke Reinert über Merkmale psychoonkologischer Beratung
Mit Diplomheilpädagogin Anna Hupe über die Arbeit mit trauernden Kindern
Mit Diplompsychologin Heike Butzke über Gesprächsgruppen für Tumorpatienten
Komplementäre Psychotherapie: Einfluss auf das Überleben ?
Was ist das Besondere an einem Arzt-Patientengespräch?
Ratschläge für die Gestaltung eines Arzt-Patientengesprächs
Ein Selbsthilfekurs, um das Rauchen aufzugeben
Wie stellen sich Kinder den Tod vor?
Elternverlust und Kindesentwicklung
Der Mythos der Krebspersönlichkeit
Rezensionen von Büchern über Krebs und Bewältigung
Gespräche über Erfahrungen in der psychoonkologischen Tätigkeit mit Tumorpatienten:
Mit Diplompsychologin Elke Reinert über Merkmale psychoonkologischer Beratung
Mit Diplomheilpädagogin Anna Hupe über die Arbeit mit trauernden Kindern
Mit Diplompsychologin Heike Butzke über Gesprächsgruppen für Tumorpatienten