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Soziale Mobbingprozesse und Opfermerkmale  

Wie entsteht Mobbing?

Mobbing ist bekannt als Gruppenphänomen, welches bereits im Kindergarten auftauchen kann und auch bei Erwachsenen noch aktuell ist. Grundsätzlich kann Mobbing in allen sozialen Gruppierungen auftauchen. Beispiele dafür sind Mobbing in der Schule, im Sportclub oder bei Jugendorganisationen, um nur einige Möglichkeiten aufzuzählen. In solchen sozialen Gruppen nehmen alle Personen eine bestimmte Rolle ein. In der Schule bist du beispielsweise in der Rolle der Schülerin oder des Schülers und die Person, die euch unterrichtet, nimmt die Rolle der Lehrperson ein. Natürlich gibt es innerhalb der Schülerinnen und Schüler noch weitere Rollen, die hier aber nicht weiter besprochen werden sollen.

Auch beim Mobbingprozess können verschiedene Rollen gefunden werden. So können im vorgestellten, zweiten Fallbeispiel Melanie als Opfer und Caroline als Täterin eingeordnet werden. Neben diesen beiden Rollen gibt es diejenigen Jugendlichen, die beim Mobbing dem Täter oder der Täterin helfen. Diese werden als Gehilfen oder Mitläufer bezeichnet. Danach gibt es die Unbeteiligten, die weder Täter noch Opfer unterstützen. Diese Rolle ist rein zahlenmässig gesehen am häufigsten vertreten und daher nicht zu vernachlässigen. Schliesslich gibt es in gewissen Klassen Jugendliche, die in der Rolle der Opfer-Helfer sind und das Opfer unterstützen. 

In der folgenden Zeichnung werden die verschiedenen Rollen im Mobbingprozess anhand von Figuren vorgestellt. Diese Figuren werden dir auf unserer Homepage immer wieder begegnen. Damit du die Charakteren jeweils sofort erkennst, haben wir den Täter und seine Mitläufer in "T-Form" und das Opfer und seine Helfer in "O-Form" gestalten lassen.

Diese Rollenverteilung ist im Mobbingprozess zentral. Sie entwickelt sich vielleicht zunächst langsam und schleichend, doch die Rollen werden im Laufe der Zeit ausgeprägter und für das Opfer wird es immer schwieriger, aus der Opferrolle zu entkommen. Je länger das Mobbing nämlich dauert, umso weniger Hemmungen haben die Mitschüler und Mitschülerinnen, ein Opfer zu plagen und mit der Zeit beginnen manchmal sogar die anfänglich Unbeteiligten, das ausgewählte Opfer zu mobben. Es kann schliesslich soweit führen, dass das Opfer völlig abgewertet wird und die anderen denken: „Der/ Die hat es ja nicht anders verdient!“ Dadurch kann sich auch beim Opfer diese Haltung entwickeln, womit es sich vielleicht selber die Schuld an der Situation zuschreibt.

Anhand der Ausführungen wird ersichtlich, dass sich Mobbing zu einem Teufelskreis entwickeln kann. Das bedeutet, dass eine anfänglich unangenehme, aber noch erträgliche Situation (z.B. ein einmaliges Plagen) sich mehr und mehr verschlimmert, bis schliesslich fast die ganze Klasse gegen das Opfer vorgeht. Dabei werden wahrscheinlich auch die Taten mit der Zeit schlimmer, da die Hemmschwelle der anderen Beteiligten nach und nach weiter nach unten sinkt.

Zur Veranschaulichung ist hier der Teufelskreis vereinfacht dargestellt. Beginne mit dem Lesen oben links.

Vielleicht fragst du dich nun, wieso denn eine bestimmte Person zum Opfer wird und eine andere Person nicht. Grundsätzlich kann jede Person in diese unangenehme Rolle kommen, es hat sich aber auch gezeigt, dass sich Opfer häufig durch bestimmte Merkmale auszeichnen. Allerdings ist nicht ganz klar, ob diese Opfer wegen diesen Merkmalen gemobbt werden oder ob diese Merkmale beim Opfer erst durch das Mobbing entstehen.  Über diese Opfermerkmale berichten wir im nächsten Abschnitt.

 

Opfermerkmale

                                               

Bei der Beschreibung der Opfermerkmale beschränken wir uns auf die Darstellung der passiven Opfer, also auf solche, die selber nicht andere mobben. Es hat sich in mehreren Studien gezeigt, dass Opfer grössere soziale Schwierigkeiten haben als andere. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich unsicher verhalten, ganz leise sprechen und über ein geringes Selbstvertrauen verfügen, was bedeutet, dass sie an ihren eigenen Fähigkeiten zweifeln. In der Pause stehen sie so da, also ob sie schwach wären und sie beginnen schnell zu weinen, wenn sie geplagt werden. Wenn Jungen gemobbt werden, so sind es oft die körperlich schwächeren.

Zudem haben Opfer meistens Schwierigkeiten, ihre eigenen Wünsche und Ziele durchzusetzen und gehen zu stark auf die Interessen der anderen ein. Dabei lassen sie sich leicht von andern ausnutzen.

Solltest du dich hier als "typisches Opfer" identifiziert haben, so solltest du auf jeden Fall Hilfe von aussen suchen. Zudem könnten dir vielleicht die Strategien zur Konfliktlösung helfen.

 

Zur Übersicht.

 

Literatur:

Alsaker, F. D. (2004). Quälgeister und ihre Opfer: Mobbing unter Kindern – und wie man damit umgeht. Bern: Huber.

Dill, E. J., Vernberg, E. M., Fonagy, P., Twemlow, S. W. & Gamm, B. K. (2004). Negative Affect in Victimized Children: The Roles of Social Withdrawal, Peer Rejection, and Attitudes Toward Bullying. Journal of Abnormal Child Psychology, 32 (2), 159-173.

Fox, C. L. & Boulton, M. J. (2005). The social skills problems of victims of bullying: Self, peer and teacher perceptions. British Journal of Educational Psychology, 75, 313-328.

Hunter, S. C. & Boyle, J. M. E. (2004). Appraisal and coping strategy use in victims of school bullying. British Journal of Educational Psychology, 74, 83-107.

Olweus, D. (2006). Gewalt in der Schule: Was Lehrer und Eltern wissen sollten – und tun können (4. durchgesehene Auflage). Bern: Huber.

Schuster, B. (1999). Zu brav oder zu böse? Mobbing-Opfer und Abgelehnte im Prisoner’s Dilemma-Paradigma. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 30 (2/3), 179-193.