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Pro Ana  

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Allegorie einer Störung

Der Ausdruck Pro Ana klingt ziemlich positiv, wenn man ihn zum ersten Mal hört. Dieser Eindruck ist gewollt, handelt es sich doch dabei um den Zusammenschluss einer beinahe sektenhaft organisierten Kommunität, in der Magersüchtige sich gegenseitig unterstützen und verstärken. Die Ähnlichkeit zum Namen >Anna< ist bewusst gewählt und verharmlost - personifiziert sogar – eine Störung, die ohnehin schwer zu behandeln ist und in den Tod führen kann. Auf diversen Pro Ana Seiten im Internet gibt es z.B. von Ana geschriebene Briefe, in denen sie u.a. deklarieret, die einzig wahre Freundin zu sein. Ana ist für die Nutzer solcher Seiten jedoch noch mehr; sie ist eine höhere Instanz, die das Leben derer kontrolliert, die sich ihr zuwenden. Eine religiöse Annäherung lässt sich dabei nicht leugnen. Anas – wie sich ihre Anhänger auch nennen – machen dies extrem deutlich: Auf umfangreichen Pro Ana Seiten findet man alternative 10 Gebote, ein Glaubensbekenntnis und sogar einen Psalm, der nicht nur zufällig an den biblischen Psalm 23 erinnert.


 

Leben mit Ana

Anas leben nach bestimmten Gesetzen. Die Nahrungsaufnahme wird darin klar geregelt, zudem Schlafdauer, Verhalten in der Öffentlichkeit und Geheimhaltung, für die im Internet sogar recht einfallsreiche Beispiele gleich mitgeliefert werden. Besonders die letzten beiden Punkte unterstreichen die Exklusivität und den sektenartigen Charakter von Pro Ana. Aussenstehenden werden böse Absichten unterstellt. Man unterstützt sich. Man kapselt sich ab. In eigenen Pro Ana Foren werden neben Grösse und Gewicht Tipps und Tricks sowie die Motivation zum Abnehmen, Gedichte und Tagebucheinträge, kalorienarme Kochrezepte und sogenannte Thinspirations (oft Bilder von abgemagerten Models) kommuniziert. Solche Foren zu besuchen erweist sich als sehr schwierig, da man meist nur mit einer schwer zu erlangenden Mitgliedschaft Einsicht bekommt. So bleibt die Intimität der Gruppe weitestgehend gewahrt.



 


 

Kultur

Pro Ana dient Magersüchtigen als Stütze zur Aufrechterhaltung ihrer Störung. Informationen dafür sind zahlreich. Die schwerwiegenden Folgen der Anorexia Nervosa werden dagegen mit keinem Wort erwähnt. Bei einer solch einseitigen Betrachtung ist eine Polarisation in dieser homogenen Gruppe – die als solche fast ausschliesslich im Internet existiert – vorprogrammiert.

Anas identifizieren sich mit Pro Ana. Zwar schreiben die Gesetze vor, andere Anas gegenüber Nicht-Anas zu bevorzugen, auf soziale Kontakte solle aber keinesfalls verzichtet werden, da man sich so vom Hunger ablenken könne. Dabei und auch sonst in der Öffentlichkeit gilt absolute Geheimhaltung. Wie erkennt man da, wer dazu gehört? Die dünne Erscheinung ist nicht immer zu erkennen, da Betroffene nicht selten weite Klamotten tragen. Ein erkennbares Accessoire gibt es allerdings; ein rotes Armband, das viele Anas an ihren Willen erinnert, nichts zu essen. Die Armbänder sind nicht sehr auffällig und längst nicht jede Ana trägt eines, was es wiederum erschwert, das Problem zu erkennen. Das Gefährlichste allerdings stellt die Anonymität des Internets dabei dar. Weil Pro Ana hauptsächlich im Internet existiert, lässt sich das Phänomen schwer kontrollieren. Längst hat die Politik reagiert und löscht viele Pro Ana Seiten - während der Recherche wurden einige Seiten bereits gelöscht. Aufgrund der Vielzahl und der Bemühung einiger Anas, immer neue Seiten ins Leben zu rufen, sind solche Bemühungen weitestgehend Sisyphus-Arbeit.


 

Es ist nötig, in den Menschen ein Bewusstsein zu wecken, dass dieses Phänomen sehr verbreitet ist und sie zu sensibilisieren, auf die kleinen Zeichen, vor allem im Verhalten, zu achten. Anorexia Nervosa ist eine Störung, die nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Familie und das Umfeld betrifft und tödlich verlaufen kann.

 

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von

Laura Bonetti    Peer Manske    Lennart Weber


 

  

 

 

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