Bulimie

Bei der Bulimie leidet die erkrankte Person unter häufigen Essanfällen und versucht durch unangemessene Massnahmen eine Gewichtszunahme zu verhindern.
Die sogenannten „Fressattacken“ vermitteln der Person ein Gefühl des Kontrollverlustes und von Machtlosigkeit. Die Massnahmen zur anschliessenden Gewichtsregulation geben der betroffenen Person eine gewisse Kontrolle zurück. Es gibt dabei einerseits Methoden, das aufgenommene Essen möglichst schnell mittels Abführmitteln oder Erbrechen wieder loszuwerden (Purging), andererseits durch exzessives Sporttreiben (Nicht-Purging) das Gewicht zu regulieren. Demnach wird die Bulimie auch in diese zwei verschiedenen Typen aufgegliedert.
Wodurch zeichnet sich Bulimie aus?
Bulimische Patienten legen übertriebene Aufmerksamkeit auf ihr Gewicht und machen dementsprechend ihren Selbstwert von ihrer Figur abhängig. Im Unterschied zu der Störung Anorexia Nervosa ist das gestörte Verhalten bei sehr vielen erkrankten Personen nicht direkt von aussen beobachtbar, weil sie nicht stark untergewichtig sind. Anorektische Personen müssen dieses Kriterium hingegen erfüllen (BMI <17.5), um als solche klassifiziert zu werden. Während Bulimiker versuchen, ihr Gewicht zu halten, haben Anorektiker das ständige Bestreben, weiter abzunehmen –selbst wenn diese bereits stark untergewichtig sind. Jede hundertste Frau und jeder tausendste Mann entwickelt im Laufe seines Lebens mindestens einmal die Symptomatik, die zur Diagnose der Bulimia Nervosa ausreicht. Im Durchschnitt erkranken Menschen im zweiundzwanzigsten Lebensjahr an einer Bulimie.
Doch wie entsteht Bulimie eigentlich?
Oft ist die Erkrankung an Bulimie das Ergebnis vieler verschiedener Faktoren: Bei weitem ist nicht nur das in unserer westeuropäischen Gesellschaft vorhandene scheinbar kollektive Schlankheitsideal die Ursache, wie viele Menschen es annehmen mögen. Schliesslich ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich eine Person eine Modesendung im Fernsehen anschaut und beschliesst, ihr Gewicht mit Abführmitteln zu halten.
Sechs Prozent der pubertierenden Mädchen und jungen Frauen halten aus Sorge um ihre Figur dauerhaft Diät. Das heisst, sie versuchen verbissen, so wenig wie möglich zu essen. Wenn sie dann jedoch nach einer längeren Phase des Nicht-Essens wieder mit Essen konfrontiert werden, wird übermässig viel Nahrung verzehrt. Schliesslich verlangt der Körper während dieser Phasen immer mehr nach neuer Nahrung, und die Gedanken der Diät haltenden Person befassen sich fast ausschliesslich nur noch mit Essen. Wenn sie dann nach längerer Zeit wieder etwas zu sich nehmen, verlieren sie die Kontrolle über die Menge, die sie verzehren. Geschieht dieser Ablauf häufiger, so entwickelt sich eine Assoziation des Appetitgefühls mit einer extremen Nahrungszufuhr. Diese Assoziation festigt mit der Zeit sehr stark. Durch diese „Gewöhnung“ bleibt nicht nur das Gewicht selbst schwer zu zügeln. Jene Essanfälle werden zum zusätzlichen Problem, welches einer Behandlung bedarf: Eines extremen, unangemessenen Ausgleiches. Somit kann man sagen, dass radikales Diäthalten die Entstehung von diesem Fehlverhalten voraussagen kann.
Es gibt zahlreiche weitere begünstigende Faktoren: Vor allem Mädchen haben unter der Bildung von Körperfett an Bauch und Hüfte in der Pubertät zu leiden. Obwohl dies ein natürlicher Prozess ist, wird oft dennoch versucht, ihm entgegenzuwirken.
Viele erkrankte Personen haben zudem eine adipöse Vorgeschichte, d.h. sie waren beispielsweise in ihrer Schulzeit übergewichtig, weswegen sie von ihren Mitschülern gehänselt wurden oder sogar unter kritischen Kommentaren ihrer Eltern zu leiden hatten. Es wird ebenfalls vermutet, dass Kinder gestörtes Verhalten von ihren Eltern übernehmen können.
Viele Bulimiker sind in einer Familie aufgewachsen, in der negative Gefühle, eine schlechte Kommunikation und mangelndes Vertrauen oder Bindungsunsicherheit herrschten. Oft wird es in solchen „Problemfamilien“ beinahe unmöglich, es zu erlernen, Konflikte normal zu bewältigen. So kommt es häufig vor, dass in Konfliktsituationen mit negativen Geühlen wie Trauer, Wut und Enttäuschung z.B. eine gesteigerte Nahrungsaufnahme dazu dient, Stress zu bewältigen, sich wieder besser zu fühlen oder Trost zu suchen.
Bulimie geht sehr oft mit anderen psychischen Störungen einher, wie Depressionen oder Angststörungen. Eine der Angststörungen ist beispielsweise die Sozialphobie, welche sich darin äussert, dass die betroffene Person schlichtweg andere Menschen meidet, aus Angst vor negativen Urteilen und vor Verspottung wegen des eigenen Aussehens.
Fazit
An Bulimie erkrankte Personen verfolgen eine Strategie zur Gewichtsregulation, die nicht aufgeht: Zwar sind diese die meiste Zeit mit den Gedanken beim Essen, doch versuchen sie, Situationen, in denen sie mit Speisen konfrontiert werden, zu vermeiden. So gehen diese beispielsweise stundenlang ohne Geldbeutel spazieren, um ja nicht in Versuchung zu geraten, einen Snack zu kaufen. Werden sie jedoch wieder solchen Situationen ausgesetzt, sehen sie kein anderes Mittel, diese zu bewältigen.
In der therapeutischen Behandlung wird versucht, neue Gedanken bezüglich der eigenen Figur und ein normales Essverhalten einzuüben und zu festigen.
Ausführliche Informationen zu Therapiemöglichkeiten finden Sie hier.
von
Laura Bonetti Peer Manske Lennart Weber