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Anorexie  

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Pro Ana


 

Wodurch zeichnet sich Anorexie aus?

Unter Anorexia Nervosa wird eine Essstörung verstanden, bei welcher die betroffene Person das Bestreben hat, immer mehr Gewicht zu verlieren, obwohl diese bereits untergewichtig (BMI von 17,5 oder weniger) ist. Zusätzlich ist eine gestörte Selbstwahrnehmung vorhanden, der zufolge die Person nie dünn genug sein kann. Sie fühlt sich stets zu dick. Etwa 1% aller Frauen und 0.1% aller Männer in den westeuropäischen Industrienationen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Anorexie. Das Durchschnittserkrankungsalter ist das siebzehnte Lebensjahr. Innerhalb der Anorexia Nervosa wird wie bei der Bulimia Nervosa zwischen zwei unterschiedlichen Typen unterschieden.

 

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Der Binge-Eating/Purging-Typ

Es gibt Personen, die zur Gewichtsregulation wie auch Bulimiker unangemessenes und gestörtes Ausgleichsverhalten zeigen, nachdem sie einen Essanfall hatten. Der Unterschied besteht dennoch darin, dass die Person ihr Gewicht nicht hält sondern dramatisch senkt und bereits untergewichtig ist.  Die Massnahmen zum Ausgleich sind denen der Bulimiker sehr ähnlich: Häufig wird erbrochen oder abgeführt, aber auch übertrieben Sport getrieben. Deren Ausübung ist jedoch deutlich extremer als bei Bulimikern. So wird stets versucht, eine negative Energiebilanz zu erreichen, das heisst, mehr Kalorien zu verbrennen als aufzunehmen.

 


Der restriktive Typ 

Der andere Typ von Anorektikern leidet nicht unter Essanfällen, Gewichtsschwankungen und krankhaftem Ausgleichsverhalten. Die Personen, die unter diesem Typen klassifiziert werden, essen einfach viel zu wenig. Sie weigern sich, etwas zu essen, obwohl sie unter starkem Hungergefühl leiden und sich sogar absichtlich mit Essen auseinandersetzen. Sie setzen sich permanent sowohl gedanklich als auch in der Wirklichkeit mit Essen auseinander. Dadurch, dass dem Appetit und dem Hungergefühl keine Nahrungsaufnahme folgt, wird diese Assoziation gelöscht. Sie bekommen mit der Zeit keinen Appetit mehr. Als Training üben sie Gedanken ein wie „Ich brauche kein Essen“ oder „Essen ist ein Zeichen von Schwäche“. Das Abnehmen wird häufig als „Wettrennen gegen den eigenen Körper“ empfunden.


Wie entsteht Anorexie? 

Wie bei der Bulimie kommen die scheinbar unkontrollierbaren Essanfälle beim ersten Typ oft dadurch zustande, dass durch strenges Diäthalten der Körper immer mehr nach Essen verlangt und die Person beinahe ausschliesslich ans Essen denkt. Wird die Person mit Essen konfrontiert, werden übermässige Mengen an Essen verzehrt. Nach häufigerem Ablauf wird eine starke Assoziation zwischen Appetit und starker Nahrungsaufnahme geschaffen. Es kann aber auch die vermeintliche Konflikt-, Stress- oder Trauerbewältigung durch übertriebenes „Naschen“ der Grund für die Aufrechterhaltung dieses Verhaltens sein, welches einen Ausgleich erfordert. Beide Typen können mit mangelnden Bewältigungsfähigkeiten von negativen Gefühlen und anderen Risikofaktoren wie Alkoholsucht der Eltern und Drogenmissbrauch in Verbindung gebracht werden. Vor allem spielen aber auch ein geringes Selbstwertgefühl und eine übertriebene und falsch gesteuerte Leistungsorientierung, welche oft radikales und häufiges Diäthalten zur Folge haben, eine zentrale Rolle.

 


 


 

Folgen der Anorexia Nervosa

Bevor Anorektiker einsehen, dass sie einer therapeutischen Massnahme bedürfen, haben sie oft bereits sehr starkes Untergewicht, und es haben sich die geschilderten Assoziationen sogar soweit gelöscht, dass sie Angst vor Essen aufbauen konnten. Tatsächlich gibt es Patienten mit einer panischen Angst vor der Nahrungsaufnahme. Der Körper kann von einer Anorexie bleibende und dramatische Schäden tragen. Vielfach verlieren Frauen die Gebärfähigkeit, und die Menstruation bleibt teilweise über Jahre aus. Es kommt häufig zu einem Zahnverlust aufgrund der Zersetzung des Zahnschmelzes durch Magensäure beim Erbrechen. Das Knochengerüst kann sich  rachitisch verformen, so dass junge Personen bereits einen „Altersbuckel“ bekommen.

Die wichtigsten therapeutischen Massnahmen bestehen in der Gewichtszunahme und der Umstrukturierung des gestörten Selbstbildes.

 

 


Kulturelle Einbettung 

Anorektiker stellen in unserer Gesellschaft eine Gruppe mit eigenen Normen und Idealen dar. Zwar existiert diese nicht im Sinne einer räumlichen Vereinigung (wie z.B. Tennisverein), doch gibt es im Internet zahlreiche Präsenzen dieser Zusammenkunft. Dort wird das gemeinsame Schönheitsideal ausgetauscht, und es werden Regeln aufgestellt über das scheinbar erstrebenswerte Essverhalten. Auch die Ausgleichsmassnahmen für den ersten Typ werden festgelegt: ein Beispiel ist die Verbrennung der doppelten Anzahl an durch „Naschen“ aufgenommenen Kalorien durch Sport.

„ProAna“, so heisst diese Bewegung, wird mit Gedichten und Geboten beinahe wie eine Religion betrieben. Dazu liefert der Beitrag über ProAna genauere Informationen.


Behandlung von Anorexia Nervosa

Die gegenwärtigen Behandlungsansätze, um Essstörungen zu beheben, verfolgen zwei unterschiedliche Hauptziele. Das erste Ziel besteht darin, das gefährliche Essmuster so schnell wie möglich zu verändern. Das zweite Ziel strebt danach, die Bedingungen zu identifizieren, welche die Essstörung verursacht und über längere Zeiträume hinweg aufrechterhalten haben. Im Folgenden wird auf die verschiedenen Ansätze eingegangen, wie anorektische und bulimische Mädchen bzw. junge Frauen therapiert werden können. Die Behandlung von Anorexie oder Magersucht verfolgt zunächst das Ziel, den von dieser Essstörung häufig betroffenen Mädchen und jungen Frauen zu helfen, den Gewichtsverlust zu bremsen und durch ein auf die einzelne Person zugeschnittenes Ernährungsprogramm ein normales Gewicht zu erreichen. Das Körpergewicht eines Menschen ist normal, wenn die Mehrheit der Personen in einem bestimmten Alter und mit einer bestimmten Körpergrösse das gleiche oder ein ähnliches Gewicht aufweisen. Wenn das Gewicht zu stark von der festgelegten Norm abweicht, liegt eine Störung vor, die auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist. Die von Anorexie betroffenen Personen stellen schrittweise ihre Gesundheit wieder her, indem sie zuerst ihr verlorenes Körpergewicht zurückgewinnen, sich von der Fehlernährung erholen und beginnen, wieder normal essen. Es gibt keine Standardtherapiemethode, die bei allen Anorexie- Fällen eingesetzt werden kann und den Therapieerfolg gewährleistet. Menschen können ein und dieselbe Störung haben, aber jede Person unterscheidet sich von jeder Person durch ihre Lerngeschichte, ihre Erfahrungen, ihre Familienkonstellation, Lebens- und Umweltbedingungen. Deshalb darf nicht davon ausgegangen werden, dass eine Therapieform genügt, um die Störung bei allen betroffenen Personen zu beheben. Daher können unterschiedliche Behandlungsansätze differenziert werden, die bei der Behandlung von Anorexie eingesetzt und im Folgenden einzeln beschrieben werden. Wenn die Anorexie eine Ausprägung erreicht, wo eine objektive Lebensbedrohung der Person vorliegt, sind Psychologen aus ethischen Gründen verpflichtet, die Patientin bzw. den Patient zu hospitalisieren. Dort übernehmen Ärzte die Situation, indem die Peron intravenös über hauchdünnen Schläuchen ernährt wird. Diese Zwangsmassnahme ist problematisch, weil die Patientin bzw. der Patient gezwungen wird, etwas zu tun, das sie bzw. er nicht tun will. Diese Interventionsform wird nur in sehr schweren Anorexie- Fällen unternommen, wo Leben und Tod durch eine sehr dünne Linie voneinander getrennt sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine anorektische Person einer solchen Zwangsmassnahme unterzogen wird, ist umso kleiner, je früher sie nach Erkrankungsbeginn eine Therapie aufsucht. Diese Massnahme kann mit einer Verletzung des Vertrauens auf Seiten der Patientin bzw. des Patienten einhergehen. Forscher der klinischen Psychologie sind der Ansicht, dass eine Person mit Anorexia Nervosa ihre ungelösten Probleme psychologischer Natur lösen muss, indem sie sich aktiv mit ihnen auseinandersetzt und versucht, sie zu bewältigen. Denn so kann sie weitere Verbesserungen erzielen.

Mehr Informationen zur Therapie finden Sie hier


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von

Laura Bonetti    Peer Manske    Lennart Weber

 

Comer, R. (2007). Abnormal Psychology  (6th ed.) (p.99-158). New York: Worth Publishers.