Wie kann ich mit dem Betroffenen umgehen?
Es ist schwer zu erkennen und hinzunehmen, dass ein Angehöriger an Demenz erkrankt ist. Dies ist jedoch ein wichtiger Schritt für das Wohlbefinden aller Beteiligten.
Der Demenzerkrankte wird nun zunehmend Unterstützung benötigen und seine Persönlichkeit wird diffuser, einige Eigenschaften werden verloren gehen, andere neu auftreten.
Generell gilt hier: Versuchen sie Eigenheiten zu akzeptieren, anstatt Verwirrtheit bzw. die Demenz abschaffen zu wollen.
Bei einer Demenzerkrankung verändern sich zudem die sozialen Rollen, das häufig ist sowohl für die Angehörigen, als auch für den Betroffenen selbst schwer zu akzeptieren! Die soziale Rolle trägt einen wesentlichen Teil zu seiner Identität und seinem Selbstwertgefühl bei - aus diesem Grund ist es gut, den Angehörigen dabei zu unterstützen, für seine Rolle wichtige Merkmale aufrechtzuerhalten.
Die kognitive Leistungsfähigkeit eines Demenz-Erkrankten kann von Tag zu Tag stark schwanken. Auch dies ist etwas, was man sich bewusst machen sollte - ein guter Tag bedeutet genauso wenig, dass der Betroffene Ihnen an den schlechten Tagen etwas vor spielt, wie ein schlechter Tag bedeutet, dass es von nun an bergab geht und es keine guten Tage mehr geben wird.
Außerdem gestalten sich die Gespräche mit dem Erkrankten als zunehmend schwieriger. Hier ist wichtig sich in den Kopf zu rufen, dass die kognitive Verarbeitung stark beeinträchtigt ist. Der Betroffene wird große Schwierigkeiten haben, Abstraktes zu verarbeiten. Vermeiden sie hier unnötige Diskussionen. Ablenkung ist häufig ein guter Ausweg.
Es gilt zudem: Verbote sollten dringend vermieden werden - es wird dem Betroffenen schwer fallen, sie zu erinnern und damit auch sie einzuhalten, dies kann sehr belastend wirken. Je nach Situation können Verbote hier durch Wahlmöglichkeiten ersetzt werden - dies bewahrt eine gewisse Freiheit und Selbstständigkeit.
Ebenso wirken ständiges Erinnern und Ermahnen häufig eher belastend, als dass es zweckmäßig ist. Es greift das Selbstwertgefühl des Betroffenen an. Versuchen Sie entspannt zu reagieren und kränkungsfrei zu orientieren - lassen sie Informationen eher beiläufig ins Gespräch einfließen, anstatt den Betroffenen direkt mit den Defiziten zu konfrontieren (dies führt eher zu Verzweiflung und zusätzlichem Druck unter dem ein Erinnern noch schwerer fallen kann).
Seien Sie sich bewusst, dass wiederholtes Nachfragen und Forderungen des Betroffenen, ebenso wie Ängstlichkeit und Anhänglichkeit vor allem aus seiner Verunsicherung und Ratlosigkeit entstehen. Sie sind nicht als Ausdruck von Trotz und Schikane zu deuten!
Ähnliches gilt für das Nicht-Eingestehen von Fehlleistungen und Schwächen - diese Verhaltensweisen sind eher ein Weg mit der Beschämung und der Verzweiflung umzugehen als eine Lüge!
Reagieren Sie nach Möglichkeit gelassen und mit Ruhe. Emotionale Zuwendung ist hier meistens weitaus sinnvoller und fruchtbarer als Erklärungen oder sogar Vorwürfe.
Auch bei Aggressivität und Kränkungen von Seiten des Betroffenen ist es gut gelassen und einfühlsam zu reagieren - diese entstehen in der Regel nicht aus "bösem Willen" sondern sind Folge der Krankheit!
Versuchen Sie, Ihr Augenmerk nicht nur auf "verlorengegangene Fähigkeiten" zu richten. Häufig entwickeln Demenzerkrankte beim Rückgang ihrer kognitiven Fähigkeiten bemerkenswerte emotionale Fähigkeiten. Sie können oft Emtionen sensibler und intensiver wahrnehmen.
Aus diesem Grund ist auch der emotionale Kontakt mit dem Betroffenen von solch großer Bedeutung. Oftmals ist der Kontakt über Berührungen und Gesten besser. Auch ein Kontakt auf mehreren Kanälen kann häufig besser verarbeitet werden (Sprache, Berührung, Gestik/Mimik : Bsp. eine sprachliche Äußerung mit einer Berührung am Arm und einem Lächeln).
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