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Psychotherapie und therapeutische Grundideen  

Psychotherapie

Zur Psychotherapie bei Demenz gibt es keine generellen Regeln oder Empfehlungen. Die Möglichkeiten diesbezüglich sind sehr unterschiedlich, die Therapie muss individuell auf den Demenzerkrankten abgestimmt werden. Unter Umständen sind dabei häufigere, kürzere Sitzungen sinnvoll. 
Es wird sich meistens vor allem auf einen wertschätzenden, unterstützenden Kontakt und Förderung der Ressourcen konzentriert.
Trotz kognitiver Einschränkungen ist eine Psychotherapie bis in mittlere Stadien der Krankheit möglich. Häufig ist es für die Therapie sinnvoll Angehörige einzubeziehen.

Themen in der Psychotherapie mit Demenzerkrankten sind hauptsächlich:
Der erlebte Kompetenzverlust
Der Umgang mit Stress und Stimmungsschwankungen
Die Erarbeitung externer Gedächtnisstützen und anderer Hilfsmittel
Die Wertschätzung des bisher im Leben erreichten

Ziele:
Krankheitsbewältigung
Reduktion von Verhaltensänderungen
Besserung psychischer Begleitsymptome
Förderung des Wohlfühlens des Betroffenen und seiner Familie

(vgl. Kastner, Löbach)

Besonders der Schutz des Betroffenen vor kognitiver Überforderung steht hier im Fordergrund.
In den meisten Fällen sind jedoch umgreifendere Therapien, die die Angehörigen miteinbeziehen, sowohl für den Erkrankten als auch für die Angehörigen effektiver und sinnvoller (beispielsweise Familientherapien).
Auch Einzeltherapien für Angehörige sind in vielen Fällen ratsam, da sie in ihrer Situation einer großen psychischen Beanspruchung ausgesetzt sind mit der sie unter Umständen schwer alleine umgehen gehen.


Therapeutische Grundideen

Es gibt verschiedene Grundkonzepte und Grundhaltungen in der Zusammenarbeit mit Demenzerkrankten, die sich nicht nur in der Psychotherapie, sondern auch in den hier diskutierten (nicht-medikamentösen) anderen Therapieformen wiederfinden.
Einige dieser Grundideen sollen im Folgenden diskutiert werden.

Selbsterhaltung und Biographiearbeit:
Bei der Selbsterhaltung geht es in erster Linie darum, den Betroffenen in seinem Identitätsgefühl und Selbstbewusstsein zu unterstützen - das Gefühl zu stärken "man selbst zu sein".
Das Wissen über die eigene Vergangheit (Herkunft, Schule, Ausbildung und weitere wichtige Ereignisse) ist dabei sehr wichtig, ebenso wie das Wissen über die eigene Person in der Gegenwart (subjektive Stärken und Schwächen, Familie, Freunde, Ziele) und das Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten. Durch diese verschiedenen Komponenten entsteht ein Bewusstsein über das Selbst, ein Identitätsgefühl. Dies ermöglicht es Entscheidungen zu treffen, Erfahrungen und Erlebnisse einzuordnen, sich zu orientieren und zurechtzufinden und viele andere Dinge, die für uns selbstverständlich erscheinen. Verliert man dieses Bewusstsein, fühlt man sich hilflos, verängstigt und alleine.
Dieser Umstand kann für den Betroffenen belastender wirken, als die kognitive Beeinträchtigung selbst.
Daher versucht man in den verschiedenen therapeutischen Ansätzen, die Selbsterhaltung zu fördern und das Identitätsgefühl zu stärken.
Weiter geht es hierbei auch darum Verhaltensweisen des Erkrankten zu verstehen und darum sich besser in ihn hinein versetzen zu können. Aufmerksames Zuhören und Interesse am Erlebten zeigen bilden hier eine wichtige Basis.
Biographiearbeit konzentriert sich dabei eher auf die Aufarbeitung der Vergangenheit, während Selbsterhaltungsarbeit mehr am Identitätsgefühl arbeitet.

Eine therapeutische Maßnahme ist in diesem Zusammenhang beispielsweise das Zusammenstellen einer Erinnerungskiste, die relevante Fotos, Briefe oder Gegenstände enthält.
Die Entlastung Angehöriger ist ein weiteres Ziel dieses therapeutischen Ansatzes. So genannte Selbst-Erhaltungs-Therapie (SET) können ambulant oder stationär druchgeführt werden.


Validation:

Die Begründerin dieses Ansatzes Naomi Feil wählt dazu auch das Bild "in den Schuhen des anderen gehen". Bei dieser Technik soll die Perspektive des Betroffenen eingenommen werden. Das Erlebte soll nachgefühlt und respektiert werden - große Einfühlsamkeit ist hier gefragt. Die Realität des anderen wird annerkannt ohne diese auf Richtigkeit zu überprüfen - stattdessen wird sich vielmehr mit der emotionalen Bedeutung der Botschaft auseinandergesetzt.


Bindungsarbeit:
Bindungserfahrungen spielen bei Demenzerkrankten ein große Rolle. Der Ausdruck "Bindung" bezieht sich auf ein biologisch begründetes Bezugssystem des Menschen zu nahe stehenden Personen, die mit Schutz und Sicherheit assoziiert sind. 
Prägende Bindungserfahrungen werden vor allem in der frühen Kindheit gemacht und charakterisieren oft die Beziehungen zu Menschen in unserem weiterem Leben.
Im Kontext der Demenz zeigen sich emotionale Bedeutungen von Bindungserfahrungen und eventuelle Bindungsstörungen häufig in besonderer Weise - Verhaltensänderungen oder psychische Symptome können Folgen sein.
Die Aufarbeitung von Bindungserfahrungen und Bindungsstörungen erfordert ein professionelles Setting.

Charakteristische Symptome von Bindungsproblematiken:
Rückzug
Betonung der Selbstständigkeit
Eingeengte Einstellungen und Urteile
Mangelnde Einfühlung
Depression mit "Anklammern"
Vermeidungsverhalten
Delegation von Verantwortung

(vgl. Kastner und Löbach)
  

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