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Burnout Syndrom  

Historisches

Burnout ist kein neues Phänomen, obwohl man diesen Eindruck haben kann auf Grund seiner Popularität als eine Art Modewort in der heutigen Zeit.

Erstmal wurde der Begriff 1969 von Bradley verwendet im Kontext von Studien zum Thema Arbeitsstress. Die ersten Publikationen erschienen in den siebziger Jahren von Herbert Freudenberger. Der Psychoanalytiker beschrieb sehr detailliert die psychischen und physischen Auswirkungen und das subjektive Erleben anhand seines eigenen Burnout-Leidens.

Zeitgleich begann Christina Maslach (Sozialpsychologin, Universität Berkeley, Californien) Studien durchzuführen mit Angestellten in sozialen Berufen. Ihr Forschungsfokus lag dabei auf der Art und Weise wie die Individuen emotionalen Stress bewältigen. Dabei interessierte Maslach sich vor allem für kognitive Strategien wie "detached concern" (Gleichgültichkeit) und "dehumanisierung" (Entmenschlichung). Bei den Interviews mit Angestellten aus diesem Sektor (z.B. Krankenhauspersonal, Hospizberater, Psychiater) kristallisierten sich die folgenden drei Themen heraus.

Die Interviewten gaben an:

  1. emotionale Erschöpfung und ein Ausgelaugtsein aller Gefühle (drained of all feelings) zu empfinden,
  2. negative Wahrnehmungen und Gefühle ihren Patienten/Klienten gegenüber zu entwickeln oder entwickelt zu haben,
  3. eine Art von Krise zu empfinden, wobei sie ihre berufliche Kompetenz in Frage stellen.

Diese zwei Wege der Entdeckung des Burnout, die relativ parallel in den siebziger Jahren begonnen haben, verdeutlichen, dass es zunächst als soziales Problem wahrgenommen wurde, bevor das Konstrukt Burnout aus wissenschaftlcher Perspektive untersucht wurde.

Was beinhaltet Burnout?

Burnout ist ein sehr komplexes Phänomen: Es existieren über 50 verschiedene Definitionen, die mehr als 100 verschiedene psychische und physische Symptome beschreiben. Auf Grund dieser Komplexität kommt es beim Versuch das Konstrukt zu erfassen zu Überschneidungen mit anderen Messgrößen wie Depression, Stress, Arbeitsunzufriedenheit oder Neurotizismus.

Trotz dieser Umstände entschied die Forschergemeinschaft Burnout als eigenständiges Konstrukt zu bezeichnen. Diese Perspektive wird durch Freudenbergers (1974) Autonomiepostulat bestärkt: Burnout ist keine Neurose oder andere psychiatrische Diagnose. Burnout hat keine pathologische Qualität mit Stigmatisierungspotenzial ("Mir geht es zwar nicht gut, aber ich bin keinesfalls psychisch krank oder gestört"). Burnout in dieser Konzeption bedeutet, dass reduzierte psychische Belastbarkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, gedrückte Stimmung und somatische Beschwerden stigmatisierungsfrei kommuniziert werden.

Die Beziehung zwischen Burnout und Berufsstress

Der Begriff Berufstress (occupational stress) wird oftmals mehr im Zusammenhang mit industriellen Berufen untersucht und postuliert und weniger im Kontext des sozialen Sektors. Jedoch wird Burnout eher mit letzterem Sektor in Verbindung gebracht, nicht zuletzt aufgrund der historischen Forschungsentwicklung und der vielen Studien, die oftmals auf Daten von Pflegepersonal basieren.

Berufsstress kann definiert werden als ein Ungleichgewicht an beruflichen Anforderungen und Bewältigungsmöglichkeiten des Angestellten. Dies kann zu negativen Erfahrungen führen, die wiederum Stressreaktionen auslösen können, wenn das Individuum nicht über genügend Stressbewältigungsfähigkeiten und -möglichkeiten verfügt (coping) oder diese nicht anwenden kann.

Somit kann Burnout als eine spezielle Art von Berufsstress definiert werden, die auftritt als Folge einer zeitlich überdauernden Stressreaktion. Die Burnout Symptome sind relativ deckungsgleich mit Symptomen der dritten Phase einer Stressreaktion.

Typischer Verlauf bzw. Entwicklung des Burnout Syndroms

Zu Beginn entwickelt die Person Erschöpfungsanzeichen, die oftmals mit einem Überengagement einhergehen. Mit der Zeit jedoch kommt es mehr und mehr zu einer emotionalen Distanzierung, die Freude an der Arbeit wird geringer und es kann zu einer agressiven Stimmung und Gefühlen des Versagens kommen. Weiterhin kann es zu einem Rückzug auf emotionaler, sozialer und geistiger Ebene kommen.

Oftmals leiden betroffene auch an psychosomatischen Beschwerden. Einige von diesen wurden bei der Beschreibung der Stressreaktion schon genannt. Häufig genannte Leiden sind: Verspannungsgefühle der Muskulatur, Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden (Krämpfe, Übelkeit), Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Schlafstörungen und eine erhöhte Anfälligkeit für virale und bakterielle Infekte. Letzteres beruht auf einer längerdauernden Immunsuppresssion.

Kognitive und emotionale Auswirkungen werden jedoch als einschränkender und belastender empfunden. Im fortgeschrittenen Verlauf komt es oftmals zu Verzweiflung, Hoffnunglosigkeit, Gefühlen der Sinnlosigkeit und sogar Suizidgedanken.

Behandlung und Prophylaxe des Burnout Syndroms

Die Behandlung von Burnout kann entweder auf individueller oder auf systemischer Ebene erfolgen. Behandlungs- und Präventionsansätze, die an der Person des betroffenen ansetzen, gehen davon aus, dass Burnout im Wesentlichen eine Folge von chronischem aus beruflicher Überforderung erwachsenem Stress darstellt. Diese Überforderung ergibt sich jedoch nicht nur aus den Objektiven Anforderungen des Berufs, sondern auch aus den Eigenschaften und Fähigkeiten des Betroffenen, mit den Belastungen umzugehen. Dazu zählen persönliche Erwartungen, Vorerfahrungen, Ansprüche und Werte, die Sensibilität hinsichtlich der Wahrnehmung von Belastungsmomenten und Symptomen sowie das individuelle Repertoire an Strategien im Umgang mit Belastungen. Aus einem Ungleichgewicht von Belastungen und Möglichkeiten der Bewältigung kann chronischer Stress resultieren, der bei den Betroffenen letztlich kontinuierlich in Überforderungserleben, Frustration und damit Burnout übergeht.

Laut Hillert und Marwitz (2006) führen sich die meisten Behandlungskonzepte auf das dreifache „E“ zurück: Entlastung (Verminderung/ Ausschalten der Stressoren), Erholung („Akkus wieder Aufladen“, entspannen, Sport usw.) und Ernüchterung (exzessiven Perfektionismus/ Idealismus herabsetzen).

Die Art der Behandlung hängt in der Realität maßgeblich davon ab, an wen sich der Betroffene mit seinen Beschwerden zuerst wendet und wie der Behandelnde diese bewertet. So kann es bis zur „richtigen“ Therapie ein langer Weg werden. Womöglich wird ein Arzt eine Reihe weiterer fachärztlicher Untersuchungen veranlassen, um eine mögliche, noch nicht bekannte, körperliche Ursache für den Erschöpfungszustand auszuschließen. Vermutet der konsultierte Arzt oder Psychotherapeut eine Überforderung als Folge von chronischem Stress, so wird er Maßnahmen einleiten, die auf den Erwerb von Stressbewältigungskompetenzen abzielen. Wird hingegen davon ausgegangen, dass die vom Patienten beschriebenen Beschwerden die diagnostischen Kriterien einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung (meist Depression) erfüllen, wird unter Umständen eine Pharmako- bzw. Psychotherapie vorgeschlagen.

In den meisten Trainingsprogrammen wird zwischen kurz- und langfristigen Stressbewältigungsstrategien unterschieden. Kurzfristige Stressbewältigungsstrategien sind solche, die in oder unmittelbar nach der Stressreaktion durchführen lassen. Sie haben einen unmittelbar entlastenden Effekt, sind relativ einfach durchzuführen und im Vergleich mit den langfristigen Strategien weniger komplex. Diese Techniken lassen sich leicht erlernen, sind allerdings schwierig in den entscheidenden Situationen anzuwenden. Durch den Stress selbst wird vergessen, etwas gegen ihn zu tun. Daher ist es aus therapeutischer Sicht wichtig, Betroffene für die Stresswahrnehmung zu sensibilisieren und die Aufmerksamkeit dahin zu lenken, dass sie in den kritischen Situationen die richtige Strategie anwenden.

Bei langfristigen Strategien werden über einen längeren Zeitraum hinweg Fertigkeiten aufgebaut oder verbessert, die die Auftretenshäufigkeit von Stressoren zu vermindern (z.B. durch Zeitmanagement) und den Betroffenen stressresistenter zu machen. Durch den Aufbau von sozialen Fertigkeiten (z.B. auch Abgrenzung) und Problemlösefertigkeiten soll den Betroffenen ermöglicht werden, die auf sie einwirkenden Stressoren effektiver zu bewältigen.

Tabelle 1 gibt eine Übersicht über häufig gewählte Stressbewältigungsstrategien.

Tab. 1: Kurz- und langfristige Stressbewältigungsstrategien (nach Hillert und Marwitz, 2006):

Kurzfristige Strategien

Spontane Erleichterung

- z.B. tief durchatmen, Kurzentspannung, sich ausstrecken

Wahrnehmungslenkung

- z.B. aus dem Fenster ins Grüne sehen, das Foto der Kinder auf dem Schreibtisch betrachten, ein Lied im Radio hören usw. (weg von dem Stressor, hin zu neutralen oder positiv besetzten Stimuli

Positive Selbstgespräche

- z.B. „Das schaffe ich schon“, „So schnell gebe ich nicht auf“, „In der Ruhe liegt die Kraft“

Abreaktion

- z.B. auf den Tisch hauen, mit Schwung eine Treppe hinauflaufen

Langfristige Strategien

Entspannung

- Ein Entspannungsverfahren lernen (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga, Meditationsverfahren), Fernsehen, Kochen

Zufriedenheitserlebnisse

- Hobby, (z.B. Musik spielen), Genusserfahrungen (gutes Essen), Lesen

Einstellungsänderungen

- Perfektionismus reduzieren, überzogene idealistische Vorstellungen hinterfragen, sich erlauben, Hilfe anzunehmen

Soziale Fertigkeiten verbessern

z.B. VHS-Kurse besuchen, an Supervision teilnehmen, soziale Kompetenzen verbessern

Soziale Unterstützung

z.B. private und berufliche Kontakte pflegen, Hilfe suchen und annehmen, in einen Verein eintreten

Problemlösungsfertigkeiten verbessern

- z.B. Pufferzeiten einplanen, „Zeitfresser“ identifizieren und reduzieren, realistische Zeitpläne aufstellen

Die Behandlung von Burnout durch Psychotherapie

Verhaltenstherapeutische Behandlung von Burnout

Verhaltenstherapeuten gehen davon aus, dass die meisten menschlichen Verhaltensweisen erlernt wurden und Lernen in systematischer, gesetzmäßiger Weise erfolgt. Dies gilt auch für sog. dysfunktionales Verhalten. Die Verhaltenstherapie beruht auf der Annahme, dass den meisten psychischen Störungen dysfunktionale Verhaltensmuster zugrunde liegen, die der Betroffene im Laufe seiner Lebensgeschichte erworben hat. Problemverhalten kann in kognitiven (à Einstellungen, Gedanken usw.), emotionalen, verhaltensbezogenen und körperlichen Komponenten beschrieben werden und ist zentraler Ausgangspunkt der Therapie. Durch Verhaltensanalysen arbeiten Therapeut und Patient gemeinsam die auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen des Problemverhaltens heraus, um daran anknüpfend möglichst konkrete Therapieziele zu formulieren. Der weitere Therapieverlauf hängt vor allem von der Erreichung der formulierten Ziele ab. Die dafür notwendigen Interventionen werden in einem Behandlungsplan zusammengefasst und kommen schrittweise zur Anwendung.

 

Tiefenpsychologische Behandlung von Burnout

Die auf Freud zurückgehende Psychoanalyse stellt das Grundkonzept für alle späteren tiefenpsychologisch ausgerichteten Therapieformen dar. Sie zielt nicht auf eine Behandlung der jeweiligen Symptomatik ab. Zentral ist der Prozess der Übertragung und Gegenübertragung zwischen Therapeut und Patient, der in der frühen Entwicklung des Patienten abgelaufene defizitäre Entwicklungen auflösen soll, die die den Symptomen zugrunde liegende Neurose begründen. Im Idealfall gelingt es, die Neurose aufzulösen und die dadurch bedingte Symptomatik verliert sich von alleine. Während frühe tiefenpsychologische Lehrbücher die Meinung vertraten, dass ein Patient der Berichte und Klagen über aktuelle Schwierigkeiten in den Vordergrund stellt, die eigentliche therapeutische Auseinandersetzung mit den Ursachen vermeidet, so fokussieren aktuelle Ansätze die Hintergründe umschriebener Problemkonstellationen. Als unmittelbare Bezüge zur aktuellen Arbeitssituation und zum Burnouterleben des Patienten können hier Konflikte mit Autoritätspersonen und überhöhte Leistungsansprüche genannt werden. Hillwert und Marwitz (2006) weisen darauf hin, dass es mittlerweile in psychosomatischen Rehabilitationskliniken berufsbezogene tiefenpsychologische Gruppentherapieangebote gibt. Im Rahmen der Gruppendynamik geht es darum, auch im Berufsalltag der Patienten problematische Verhaltensmuster zu identifizieren, den Hintergründen nachzuspüren und sie schrittweise zu modifizieren.

Behandlung und Prävention am Arbeitsplatz 

Drei Ansätze betrieblicher Gesundheitsförderung lassen sich unterscheiden. Es wird von primärer, sekundärer und tertiärer Intervention gesprochen. Bei der primären Intervention geht es darum, die Gefahren und Belastungen innerhalb des Betriebs zu verringern. Möglichkeiten sind eine Verringerung des Unfallrisikos durch Baumaßnahmen, Erleichterung der Kommunikationswege und Klärung von Zuständigkeiten und Hierarchien, die den Fähigkeiten, Wünschen und Kontrollbedürfnissen der Mitarbeiter angepasst werden. Ziel der sekundären Intervention ist es, das Verhalten des Einzelnen zugunsten seiner Gesundheit zu verändern. Dazu zählen Programme zur Suchtprävention, gesunder Ernährung, Steigerung körperlicher Fitness und vieles mehr. Die tertiäre Intervention wendet sich an bereits erkrankte und rekonvaleszente Mitarbeiter. Wichtige Maßnahmen sind strukturierte Rückkehrgespräche, stufenweise Einarbeitungen und wenn nötig besondere ärztlich-therapeutische Betreuung.

Eine große Schwierigkeit in der betrieblichen Gesundheitsförderung ist die Frage, welche Mitarbeiter an solchen Projekten und Programmen teilnehmen. Die Teilnahme ist meist auf freiwilliger Basis. Mitarbeiter, die einem solchen Projekt gegenüber offen sind und sich für gesundheitliche Fragen interessieren, haben diese Kurse weniger nötig als solche, die nicht motiviert sind, ein etwaiges Problem gar nicht erst erkennen oder sich einfach nicht trauen. Durch schlichtes Einreden auf die Mitarbeiter lässt sich wenig erreichen. Ohne eigene Motivation und eigene Wahrnehmung der Vorteile besteht kaum Hoffnung auf Erfolg.

Ein weiteres Problem von Stresspräventionsprogrammen am Arbeitsplatz liegt darin, dass sie zwangsläufig auch Inhalte transportieren, die nicht immer mit den Unternehmenszielen in Einklang zu bringen sind. Die für eine individuelle Stressprävention wichtige souveräne Abgrenzung von unangemessenen Forderungen des Vorgesetzten oder Psychohygiene durch Delegation und tatsächlich als Freizeit genutzte Freiräume stehen den Unternehmensinteressen vor allem in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gegenüber.



 

Selbsttest Burnout
Hamburger Burnout Inventory (HBI)