Diagnosekriterien
Frühkindlicher Autismus:
Diese Kriterien sind aus dem DSM-IV zu entnehmen.
A. Es müssen mindestens sechs Kriterien aus 1,2 und 3 zutreffen, wobei mindestens zwei aus 1 und je eins aus 2 und 3:
1 Qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion:
- ausgeprägte Beeinträchtigung im Gebrauch vielfältiger nonverbaler Verhaltensweisen wie z. B. Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Gestik zur Steuerung sozialer Interaktionen,
- Unfähigkeit, entwicklungsgemässe Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen,
- Mangel, spontan Freude, Interessen oder Erfolge mit anderen zu teilen,
- Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit.
2 Qualitative Beeinträchtigungen der Kommunikationen:
- Verzögertes Einsetzten oder völliges Ausbleiben der Entwicklung gesprochener Sprache,
- Bei Personen mit ausreichendem Sprachvermögen deutliche Beeinträchtigung der Fähigkeit, ein Gespräch zu beginnen oder fortzuführen,
- Stereotyper oder repetitiver Gebrauch der Sprache oder idiosynkratische Sprache,
- Fehlen von verschiedenen entwicklungsgemässen Rollenspielen oder sozialen Imitationsspielen;
3 beschränkte, repetitive und stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten:
- Umfassende Beschäftigung mit einem oder mehreren stereotypen und begrenzten Interessen, wobei Inhalt und Intensität abnorm sind,
- Auffällig starres Festhalten an bestimmten nichtfunktionalen Gewohnheiten oder Ritualen,
- Stereotype und repetitive motorische Manierismen,
- Ständige Beschäftigung mit Teilen von Objekten.
B Beginn vor dem dritten Lebensjahr und Verzögerungen oder abnorme Funktionsfähigkeit in mindestens einem der folgenden Bereiche:
- Soziale Interaktion,
- Sprache als soziales Kommunikationsmittel oder
- Symbolisches oder Fantasiespiel.
C Die Störung kann nicht besser durch die Rett-Störung oder die Desintegrative Störung im Kindesalter erklärt werden.
ICD-10 nennt noch unspezifische Probleme wie Befürchtungen, Phobien, Schlafstörungen, Essstörungen, Wutausbrüche, Aggressionen und selbst-verletzendes Verhalten hinzu.
Asperger-Syndrom:
Das Asperger-Syndrom gilt als weitere Form des Autismus und manifestiert sich ca. ab dem dritten und fünften Lebensjahr. Nach Gillberg & Gillberg 1989 werden meist die folgenden Kriterien zur Diagnose verwendet:
- Soziale Beeinträchtigung (extreme Ichbezogenheit) (mind. zwei der folgenden Merkmalen):
- Unfähigkeit, mit Gleichaltrigen zu interagieren
- mangelnder Wunsch, mit Gleichaltrigen zu interagieren
- mangelndes Verständnis für soziale Signale
- sozial und emotional unangemessenes Verhalten
- Unfähigkeit, mit Gleichaltrigen zu interagieren
- Eingegrenzte Interessen (mind. eins der Merkmale):
- Ausschluss anderer Aktivitäten
- repetitives Befolgen der Aktivität
- mehr Routine als Bedeutung
- Repetitive Routinen (mind. eins der Merkmale)
- für sich selbst, in Bezug auf bestimmte Lebensaspekte
- für andere
- Rede- und Sprachbesonderheiten (mind. drei der Merkmale):
- verzögerte Entwicklung
- (oberflächlich gesehen) perfekter sprachlicher Ausdruck
- formelle, pedantische Sprache
- seltsame Prosodie, eigenartige Stimmmerkmale
- beeinträchtiges Verständnis einschliesslich Fehlinterpretationen von wörtlichen/implizierten Bedeutungen
- Nonverbale Kommunikationsprobleme (mind. zwei der Merkmale):
- begrenzter Blickkontakt
- begrenzte Gestik
- unbeholfene oder linkische Körpersprache
- begrenzte Mimik
- unangemessener Ausdruck
- eigenartig starrer Blick
- Motorische Unbeholfenheit:
Mangelnde Leistung bei Untersuchung der neurologischen Entwicklung.
